Mittwoch, 8. Februar 2012, 17:07 Uhr

manager magazin



Konjunkturmanager magazin RSS  - Konjunktur - Konjunktur

Alle Artikel und Hintergründe

24.06.2010
 

Konjunktur

Deutschland wächst weiter - trotz Krise

Von Carsten-Patrick Meier

Es läuft wieder rund: Das Wachstum in Deutschland dürfte 2010 höher ausfallen, als viele vermutet haben. Spannend wird sein, ob der mm-Indikator den erreichten Stand halten wird
Getty Images

Es läuft wieder rund: Das Wachstum in Deutschland dürfte 2010 höher ausfallen, als viele vermutet haben. Spannend wird sein, ob der mm-Indikator den erreichten Stand halten wird

Das neue Konjunkturbarometer des manager magazins zeigt eine deutlich aufgehellte Schönwetterlage. Das Wachstum zieht an - und das in einer Zeit, da die Finanzkrise die Wirtschaft in Atem hält.

Die Stimmung ist gut unter den Managern in Deutschland. Die Geschäftslage ihrer Unternehmen beurteilten sie im Mai per saldo um einiges besser als im langjährigen Mittel, die Aussichten fürs Geschäft in den kommenden sechs Monaten sogar sehr viel besser.

Legt man die Zusammenhänge zwischen den Einschätzungen der Manager und der Konjunktur - gemessen am Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) - während vergangener Konjunkturzyklen in Deutschland zugrunde, wie dies der neue mm-Indikator tut, so ist im laufenden Jahr eine Zunahme des realen BIP um 1,9 Prozent drin. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten, die derzeit vermutlich etwa um 1 Prozent wachsen, wären dann zwar wohl immer noch unterausgelastet, allerdings deutlich weniger als im vergangenen Jahr.

Und vor allem auch weitaus weniger als noch vor Kurzem realistisch erschien. Noch der April-Wert des Indikators deutete nur auf einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion um magere 1,3 Prozent hin, der Internationale Währungsfonds prognostizierte damals sogar nur 1,2 Prozent, die Gemeinschaftsdiagnose kam Ende April mit 1,5 Prozent heraus.

Auch wenn im aktuellen manager magazin die erste Veröffentlichung des neuen Indikators erfolgt, so haben wir doch historische Indikatorstände berechnet, um im Wege eines "back testing" zu prüfen, wie es dem Indikator in der Vergangenheit gelungen wäre, die konjunkturelle Entwicklung vorwegzunehmen.

Euro-Krise hat in Deutschland nicht nur negative Wirkungen

Woher also kommt der große Umschwung im Mai und Juni? Vor allem: Wie konnte der Indikator im Juni erneut steigen? Immerhin hielten doch die Turbulenzen um die Finanzierung der griechischen (und spanischen, portugiesischen, belgischen, italienischen…) Staatsschulden Finanzmärkte und Politik in Atem.

Dass diese Krise in dem Konjunkturbild, dass der Indikator zeichnet, noch keine Bremsspuren hinterlassen hat, hat zwei Gründe: Zum einen antworteten die Manager auf die Frage nach ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate per saldo zwar vorsichtiger als im Vormonat, dies aber nur sehr geringfügig. Offenbar standen den Befürchtungen um die Folgen neuerlicher Bankenpleiten und um die Absatzaussichten im südlichen Europa entgegen, dass die "Griechenland-Krise" in Deutschland nicht nur negative Wirkungen hatte.

Immerhin stimuliert die deutliche Abwertung des Euro den Export in Länder außerhalb des Währungsgebietes, vor allem nach Asien. Und der krisenbedingte Rückgang der Hypothekenzinsen lässt nicht nur die Herzen junger Familien und anderer potentieller Häuslebauer höherschlagen, sondern auch die der Manager in der Bauwirtschaft.

Eine Rolle spielte darüber hinaus ein statistischer Effekt. Im Mai revidierte das Statistische Bundesamt seine Schätzung vom vergangenen Februar für das reale Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2009 nach oben. Da damit das Ausgangsniveau für das BIP im Jahr 2010 höher liegt als zuvor, erhöht sich automatisch der Indikator; ohne diesen Effekt wäre er gegenüber dem Stand vom Mai gesunken.

Interessant ist nun, ob der Indikator den erreichten Stand halten wird. Ähnlich optimistisch hinsichtlich der Geschäftsaussichten wie im April 2010 waren die deutschen Manager zuletzt im April 2007. Damals strebte der Boom der Weltwirtschaft seinem Höhepunkt zu - und nur wenige Wochen später sollte eine globale Banken- und Finanzkrise, wie sie in den Industrieländern seit den 1930er Jahren nicht mehr aufgetreten war, die Konjunktur erschüttern. Diese Krise ist noch längst nicht ausgestanden.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Zum Autor

Carsten-Patrick Meier, Geschäftsführer und Mitinhaber des privaten Forschungsinstituts Kiel Economics, gilt als einer der besten Kenner der deutschen Konjunktur. Zwischen 1998 und 2008 leitete er am Kieler Institut für Weltwirtschaft zunächst die Forschungsgruppe "Deutsche Konjunktur" und später den Forschungsbereich "Risiken im Bankensektor".

Für das manager magazin erstellt er seit Juni 2010 den mm-Indikator, die erste monatlich aktualisierte Vorausschau auf die jährliche Wachstumsrate der deutschen Wirtschaft.

mm-Konjunktur-Indikator

Der mm-Konjunktur-Indikator zeigt den voraussichtlichen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland im Durchschnitt des gesamten laufenden Jahres sowie des kommenden Jahres an. Er liefert damit erstmals eine monatlich aktualisierte Vorausschau für jene Zahl, die wie keine andere für den Erfolg oder Misserfolg unserer Wirtschaft steht: das Wirtschaftswachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Neues Verfahren

Zeithorizont

Irrtumswahrscheinlichkeit

Konjunkturtest



Das Institut

Das private Wirtschaftsforschungsinstitut Kiel Economics ist eine Ausgründung aus dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die Geschäftsführer, Carsten-Patrick Meier und Jonas Dovern, waren im Prognosezentrum des IfW und in verschiedenen Forschungsbereichen des Instituts tätig. In den vergangenen Jahren waren sie maßgeblich an der Erstellung der regelmäßigen Konjunkturprognosen des IfW und an der Erarbeitung der Frühjahrs- und Herbstgutachten im Rahmen der Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute beteiligt. Darüber hinaus kooperieren sie mit Wissenschaftlern an anderen Wirtschaftsforschungsinstituten und an Universitäten.

Ab Herbst 2010 wird Kiel Economics in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Auftrag des Bundewirtschaftsministeriums an der Gemeinschaftsdiagnose mitwirken.

Die Kernkompetenzen des Instituts liegen in der Analyse gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge und in den Bereichen quantitative Modellierung und Prognoseverfahren. Außer den Ergebnissen volkswirtschaftlicher Forschung, insbesondere der Makroökonomik und der Ökonometrie, berücksichtigen die Kieler Forscher in ihren Analysen, Prognosen und Modellierungen auch Erkenntnisse aus anderen Bereichen – darunter Financial Economics und Behavioral Finance, Organisationswissenschaften, Psychologie und Betriebswirtschaftslehre.







Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben