Von Klaus Werle
mm: In Gehaltsfragen allerdings warnen Sie dagegen vor zu großer Flexibilität.
Neumann: Das ist richtig. Derzeit suchen viele Manager eine neue Position und sind bereit, große Kompromisse bei der Vergütung zu machen oder einen Sidestep bei der Karriere hinzunehmen. Da mutieren dann plötzlich harte Verfechter von Bonusregelungen zu Sozialromantikern. Nach dem Motto: Geld ist nicht so wichtig, die Aufgabe steht im Vordergrund. Da ist Vorsicht angeraten: Oft suchen diese Kandidaten nur eine Parking-Position. Sobald sich die Lage wieder bessert, sind sie wieder weg. Wenn Ehrgeiz und Motivation nicht stimmen - Finger weg!
mm: Bescheidenheit kann also auch nach hinten losgehen. Kriegt also der breitbeinige Alleskönner den Job?
Neumann: Natürlich nicht immer. Auch Arroganz fällt in die Kategorie "Geht gar nicht". Schon die simple Bitte, ein wenig über den eigenen Lebensweg zu erzählen, wird da schnell zur Falle. Viele Manager berichten dann langatmig von Schule und Studium. Zu große Detailtiefe langweilt aber schnell. Gute Kandidaten packen ihren Lebenslauf in zwei, drei zentrale Erfolgsgeschichten und kommen schnell auf den Punkt. Nicht zuletzt geht es ja darum, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und nicht farblos aus dem Gespräch zu gehen. Zusammen mit Bodenhaftung und Empathie ist das schon ein großer Pluspunkt.
mm: Sollten Bewerber auf das Unternehmen eingehen, bei dem sie sich gerade vorstellen?
Neumann: Wer im Gespräch nur damit beschäftigt ist, sich selbst im strahlenden Licht zu präsentieren, und sich nicht für das Unternehmen interessiert, in dem er sich bewirbt, hinterlässt ebenfalls einen unangenehmen Eindruck. Genau wie die Ultradynamiker, die immer einen Sack toller neuer Ideen im Gepäck haben, zu Selbstüberschätzung neigen, aber noch nie die Folgen ihrer Entscheidungen durchgestanden haben - weil sie immer rechtzeitig vorher gewechselt sind.
mm: In solchen Gesprächen geht es oft um hohe Positionen und viel Geld. Es steht also einiges auf dem Spiel. Warum unterlaufen klugen Menschen derartige Patzer?
Neumann: Bei vielen ist schlicht Angst die Ursache. Sie fürchten, eine tolle Chance zu vertun und wollen deshalb erst mal für sich die Basics klären. Deshalb fragen nicht wenige gleich zu Anfang nach Gehalt und Sozialleistungen - ein schlimmer Fauxpas. Sie sind nicht selbstreflektiert genug und können sich nicht in ihr Gegenüber hineinversetzen. Anstatt sich zu fragen "Was kann ich dem Unternehmen bieten?" fragen viele zuerst "Was ist eigentlich für mich drin?". Das zeugt nicht gerade von echtem Interesse für die Firma.
mm: Aber irgendwann möchte man doch schon mal wissen, was man verdient, oder nicht?
Neumann: Sicher, aber in solchen mehrstufigen Bewerbungsprozessen sollte man das Gegenüber zuerst mit den eigenen Fähigkeiten ködern. Wenn die Motivation stimmt, und die Ideen für die neue Position überzeugen, dann ist die Vergütung meist kein Stolperstein mehr. Die ganz abgeklärten Manager reden bis zur Vertragsunterzeichnung gar nicht über Geld - und bekommen trotzdem fast immer, was sie wollten.
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