Ganz oben auf der Problemliste steht der Komplex Energie. "Das Schicksal der ganzen Branche hängt an diesem Thema", sagt Linz. Überspielten die Firmen die Folgen des hohen Ölpreises von 147 Dollar pro Barrel im Boomjahr 2008 noch mit dem Hinweis darauf, dass andere Verkehrsträger schlimmer betroffen seien, lehrte die durch hohe Rohstoffpreise verstärkte Krise offenbar das Gegenteil.
In einem als "wahrscheinlich" gekennzeichneten Szenario erwarten die EBS-Forscher, dass die Welt schon in etwa 15 Jahren von einem globalen Erdölmangel überrascht wird. Die Preise ziehen stark an, weil die Nachfrage nach Mobilität bis dahin weiter stetig angestiegen ist.
Und die Industrie ist demnach bis dahin technisch nicht in der Lage, für alternative Antriebe zu angemessenen Preisen zu sorgen. In einer solchen Situation werde die Gesellschaft "entscheiden, ob die Luftfahrtindustrie, wie wir sie kennen, weiterhin existiert."
Ein hoher Ölpreis könnte demnach manche Grundkoordinaten des Wirtschaftens zum Nachteil der Geschäftsflieger verändern. Das regionale Umfeld gewinnt an Bedeutung, weltweite Netzwerke verlieren an Gewicht. Die Kunden verlagern in einem solchen Szenario "ihre Nachfrage signifikant zu anderen Verkehrsträgern", erwarten die ESM-Experten.
Konkurrenz von anderen Verkehrsträgern
Dafür haben Regierungen weltweit in der gerade überwundenen Rezession möglicherweise einen Grundstein gelegt. Vor allem die USA und China lenken im Zuge der gigantischen Konjunkturpakete Milliarden in den Schienenverkehr. Weltweit haben Staaten etwa 100 Milliarden Euro für Hochgeschwindigkeitsnetze bereitgestellt, errechnete die Unternehmensberatung Roland Berger. Die Züge sollen zwischen den wichtigsten Geschäftszentren Asiens, Europas und Nordamerikas fahren - mit Strom, und sind deshalb von einer Ölknappheit vergleichsweise wenig betroffen.
Zu den schmerzhaften Lehren aus der Krise zählt auch, dass viele Unternehmen in der Krise die Vorzüge von Videokonferenzen schätzen gelernt haben. Studien zufolge könnten Firmen 10 bis 35 Prozent der Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter durch solche Treffen vor dem Bildschirm ersetzen. "Die Qualität regelmäßiger Sitzungen ist nicht beeinträchtigt, wenn sie virtuell abgehalten werden", schreiben die EBS-Forscher.
Immerhin hat der anhaltende Druck auf die Businessjetbranche deren Wettbewerbsfähigkeit zum Teil erhöht. Viele Hersteller haben ihre Modelle während der Krise neu dimensioniert. Sparsamer und billiger sollen sie werden. Auch die auf Kleinflugzeuge spezialisierten Fluggesellschaften versuchen immer billiger zu werden und setzen auf die neuen Very Light Jets. Doch ein echter Kundenansturm bleibt bisher aus. Und so geht die Konsolidierung voran: Der neuen Firma Jetbird - ein selbst ernannter Billigflieger unter den Privatjets - ging noch vor dem Start das Geld aus.
Very Light Jets: Die neue Generation der Businessflieger
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