Ein Gastbeitrag von Klaus Doppler
Die Kernthese von Reinhard Sprenger in seiner Kolumne " Vorbild a.D." (manager magazin 5/2010) ist ein Plädoyer für die Trennung zwischen öffentlich und privat, Amt und Person, Rolle und Authentizität. Ich finde diese Trennung schlichtweg schlimm und könnte mich darüber aufregen, wenn ich sehe, vor welchen gesellschaftlichen Herausforderungen wir insgesamt stehen. Andererseits sagt diese Trennung viel über das geistige Fundament aus, das bereits früheren Veröffentlichungen mit den verführerischen Titeln "Mythos Motivation" und "Die Verantwortung liegt bei Dir" eigentlich zugrunde liegt.
Ich will diese Ausführungen nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen. Es gibt zu viele Manager, die vielleicht auf eine solche Entlastung aus dem Mund eines populären Managementexperten als Generalerlaubnis warten, um sich ohne Rücksicht auf ethische Fragestellungen rollenkonform zu verhalten.
Ich selbst möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Manager- beziehungsweise Führungsrollen prinzipiell frei von Moral gehalten werden, in der jeder Manager, der sich bemüht, die Rolle mit seinen persönlichen Wertvorstellungen zu füllen, einer Ichblähung bezichtigt und entsprechend abqualifiziert werden kann.
Ich möchte mich nicht den Ackermännern dieser Welt ausliefern, die jede Gelegenheit nutzen, um öffentlich gesellschaftliche Diskurse zu führen, die aber in ihrem konkreten Handeln ausschließlich der Logik des größtmöglichen Profits für ihr eigenes Unternehmens folgen. Es gab schon mal jemand, der ein Weltunternehmen mit seinem Mantra "Profit, Profit, Profit!" an den Rand des Ruins geführt hat, um schließlich mit horrenden Zahlungen auszusteigen - und weder Aufsichtsrat noch persönliche Wertvorstellungen haben ihn daran gehindert.
Manager verfügen nicht über Gnadengaben
Wenn Sprenger dagegen argumentiert, dass Führungskräfte irgendwie bessere Menschen seien, über höhere Weihen, besondere Gnadengaben oder über ein quasitheologisch begründetes Amt verfügen, dann baut er damit einen Pappkameraden auf, den er locker zertrümmern kann, weil kein halbwegs vernünftiger Mensch so etwas behauptet.
Der Kern meiner eigenen Botschaft an Manager, Berater und Selbstverantwortliche besteht aus drei Säulen: Erstens: Rollen sind keine unabhängigen, nur von der jeweiligen Institution allein definierte Formen, sondern werden von den Erwartungen all derjenigen definiert, die von dieser Rolle mit beeinflusst werden und vom eigenen Verständnis dieser Rolle. Wie ein Manager also seine Rolle ausfüllt, hängt beispielsweise ab von der Qualität seiner Mitarbeiter, den Erwartungen der externen und internen Kunden seines Bereichs, der aktuellen Lage, in der sich sein Unternehmen befindet, den Erwartungen seines Auftraggebers und selbstverständlich von seiner eigenen Kompetenz, seinen persönlichen Wertvorstellungen und seiner Lagebeurteilung.
Es ist ein Unterschied, ob ich die Kapitänsbinde in einer Fußballmannschaft trage, die sich gegen den Abstieg wehren muss, oder ob sich die Mannschaft im ungefährdeten Mittelfeld bewegt. Mein mentales Modell eines guten Managers ist exakt die Verbindung dieser unterschiedlichen Perspektiven, die Integration von öffentlich und privat, Amt und Person, Rolle und Authentizität im Gegensatz zu einer einseitigen Instrumentalisierung durch die Institution. Und so bleibt immer die Wahl, die jeder Rollenträger zu treffen hat, sich als Person entweder der vorgegebenen Rolle anzupassen oder die Rolle den eigenen Vorstellungen anzupassen.
Zweitens, das Plädoyer, dass Vorbilder ausgedient haben und nur die individuelle Eigenständigkeit der Mitarbeiter verhindern, greift zu kurz. Hier wird das Kind gleich zwei Mal mit dem Bad ausgeschüttet.
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