Die markigen Worte der US-Regierung nähren die Vermutung, dass es den Konzernen künftig nicht mehr so leicht fallen wird, ihre Anteilseigner zufrieden zu stellen. "Wir werden nicht eher ruhen, bis wir Gerechtigkeit haben", sagte Justizminister Eric Holder mit Blick auf BP.
Sollte sich dabei herausstellen, dass die Sicherheitsbestimmungen beim britischen Konzern zu lasch gewesen sind, droht auch anderen Unternehmen Ungemach. "Die Konzerne werden detaillierte Pläne vorlegen müssen, wie sie im Katastrophenfall reagieren würden. Das verteuert Projekte erheblich", sagt Diermeier.
Im schlimmsten Fall müssen die Fördergiganten sogar ganz auf wichtige Projekte verzichten. "Die in der Arktis geplanten Investitionen dürften nun erst einmal nicht kommen", erwartet schon der Hamburger Ölexperte Steffen Bukold angesichts der kritischen Öffentlichkeit. "Die Vorhaben sind aber als langfristige Hoffnungsträger in die Aktienkurse der Ölbranche eingepreist."
Die Ängste sind nicht aus der Luft gegriffen. Schon jetzt hat beispielsweise die US-Regierung ein sechsmonatiges Moratorium für alles Tiefseebohrungen in amerikanischen Gewässern verhängt. Die US-Bank Goldman Sachs stufte deshalb am Dienstag BP herab und fand auch für den Rest der Branche pessimistische Worte: "Wir glauben, dass der
Im Jahr 2015 könnten die Ölkonzerne deshalb und wegen schärferer Sicherheitsbestimmungen im Golf von Mexiko 350.000 Fass Öl weniger am Tag produzieren (etwa 0,5 Prozent der Weltproduktion), erwartet die Beratung Wood Mackenzie. Höhere Preise seien die Folge. Seit der Katastrophe sind die Preise für Öllieferungen im Jahr 2015 bereits um acht Dollar pro Fass angestiegen.
Washington plant Energiewende
Und während Präsident Barack Obama in den ersten Wochen nach der Katastrophe im Golf nicht müde wurde, sich als Befürworter dieser Form der Ölförderung zu bekennen, schlägt seine Stimmung offenbar um. Inzwischen will er Steuererleichterungen für die Konzerne aufheben und die energiepolitische Wende durchsetzen. Wegen der Risiken bei der Ölförderung aus der Tiefsee müssten sich die USA stärker sicheren und umweltfreundlicheren Energien zuwenden. Damit droht die seit Jahrzehnten bestens in Washington vernetzte Öl-Lobby ins Abseits zu geraten.
Doch auch in der Wirtschaft wachsen Zweifel am Geschäftsmodell der Ölkonzerne. So haben namhafte Rückversicherer ihre Prämien für Versicherungen mit Bezug zu Tiefwasserbohrungen um 50 Prozent erhöht, wie die Ratingagentur Moody's berichtet. Konzernen wie Swiss Re, Münchener Rück und Hannover Rück drohten zusammen Kosten von bis zu 3,5 Milliarden Dollar durch das Umweltdesaster. "Die Rückversicherer bewerten die Risiken im Zusammenhang mit Tiefseebohrungen neu", sagte Moody's-Vizepräsident James Eck.
Die Kreditwürdigkeit von BP selbst war von Moody's und Konkurrent Fitch nach der Ölkatastrophe wegen der nicht absehbaren Risiken bereits herabgesetzt worden. Exxons Top-Rating ist bisher nicht gefährdet. Shell gegenüber drohte Fitch jedoch zuletzt mit einer Abwertung, sofern das Unternehmen die Produktion nicht deutlich erhöhe - eine Bedingung, die unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht eben leichter zu erfüllen sein dürfte.
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