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31.05.2010
 

Börsenwert bricht ein

Auch Ölkonzern BP droht der "Top Kill"

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird auch für den Verursacher BP zum Desaster. Die Aktie brach am Montag um weitere 10 Prozent ein, nachdem der Konzern gewarnt hatte, dass das Öl noch bis August ins Meer laufen könne. Seit dem Unglück hat der Konzern rund ein Viertel seiner Marktkapitalisierung verloren. Die Kosten für Aufräumarbeiten und der Imageschaden sind kaum kalkulierbar.

Venice - Das Scheitern des jüngsten Versuchs, das Ölleck im Golf von Mexiko zu verschließen, hat am Montag die BP-Aktien in Frankfurt und auf Xetra massiv unter Druck gebracht. Die Titel verloren bis zu knapp 10 Prozent auf 5,32 Euro. Seit dem Untergang der "Deepwater Horizon" am 22. April hat BP rund ein Viertel seiner Marktkapitalisierung eingebüßt - der Börsenwert verringerte sich um rund 50 Milliarden Dollar.

Der Kursrutsch könnte sich morgen fortsetzen, denn wegen eines Feiertags werden BP-Aktien am Montag in London und an der Wall Street nicht gehandelt. Am Freitag waren die Aktien an der Londoner Börse bereits um 5Prozent auf 401,24 Pence eingebrochen. Das Unternehmen hatte mit dem Einspritzen von Schlamm und Geröll ins Leck am Wochenende keinen Erfolg gehabt und war mit dem "Top Kill" Verfahren gescheitert.

Nicht nur BP wird am Finanzmarkt abgestraft. In Zürich brachen die Aktien von Ölplattformbetreiber Transocean um bis zu 9 Prozent auf 60,50 Franken ein. Die Firma hatte BP die Plattform im Golf geliehen, deren Untergang die Ölkatastrophe ausgelöst hat.

Nach der US-Regierung warnte nun auch der Ölkonzern BP, das Öl könnte noch bis August ungehindert ins Meer laufen. Das Leck in etwa 1500 Metern Tiefe könnte weitere zwei Monate offen bleiben, sagte BP-Chef Tony Hayward im Fischerort Venice, deren Einwohner von der Ölpest besonders schwer betroffen sind. Die US-Regierungsberaterin Carol Browner sagte dem TV-Sender CBS: "Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor."

Zweite Bohrung ist verlässlich, braucht aber Zeit

Nachdem das Einspritzen von Schlamm und Geröll ins Leck keinen Erfolg gebracht hatte, sollen nun Entlastungsbohrungen das Austreten des Öls stoppen.

Bis zu 3 Millionen Liter pro Tag: Öl strömt in 1500 Meter Tiefe aus dem zerstörten "Blow Out Preventer"
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DPA

Bis zu 3 Millionen Liter pro Tag: Öl strömt in 1500 Meter Tiefe aus dem zerstörten "Blow Out Preventer"

"Das ist die endgültige Lösung", versprach Hayward. Die zwei Bohrungen, mit denen bereits begonnen wurde, gelten als verlässliches, aber teures und außerdem zeitaufwendiges Verfahren.

Zugleich kündigte BP einen weiteren Anlauf an, um zumindest einen Teil des austretenden Öls aufzufangen. Am Montag oder Dienstag sollte ein Steigrohr abgeschnitten werden, das direkt zum kaputten Abdichtungsmechanismus führt. Zudem sollte eine Art Glocke zum Absaugen installiert werden. Dabei könnte sich der Öl-Austritt nach Angaben der Regierung aber zunächst um 20 Prozent erhöhen. In einigen Tagen will BP absehen können, ob das Verfahren erfolgreich war.

Elf Todesopfer bei Explosion - bis zu 3 Millionen Liter Öl pro Tag

Die Golfküste ist eines der wichtigsten Öko-Systeme der USA und Revier für die mehr als sechs Milliarden Dollar schwere Fischerei-Industrie. Bei der Explosion und dem anschließenden Untergang der Plattform "Deepwater Horizon" vor etwa sechs Wochen kamen elf Arbeiter ums Leben. Aus dem Leck strömt seitdem ungehindert Öl ins Meer - soviel wie noch nie in der Geschichte der USA. Nach Schätzungen der Regierung treten täglich zwischen 1,9 Millionen und 3 Millionen Liter Öl ins Meer aus. Das erfolglose Krisenmanagement wird auch zu einem immer größeren Problem für BP-Chef Hayward.

Der Börsenwert von BP verringerte sich um 50 Milliarden Dollar, was etwa einem Viertel des Gesamtwertes entspricht.

Am Freitag verlor die BP-Aktie fünf Prozent, weil sich erneut Verzögerungen beim Versuch zum Stopfen des Öllecks abzeichneten. Der Kursrutsch dürfte sich am Dienstag fortsetzen, wenn die Börse in London in eine verkürzte Handelswoche startet.

manager magazin mit Material von reuters und dpa

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