Donnerstag, 9. Februar 2012, 20:50 Uhr

manager magazin



01.06.2010
 

Globale Wirtschaftspolitik

Ist die nächste Krise unausweichlich?

Von Henrik Müller

Bubbles, Inflation, Schuldenorgien - die Weltwirtschaft ist weit davon entfernt, auf einen nachhaltig stabilen Wachstumspfad zurückzukehren. Immer noch pumpen die Staaten viel zu viel Geld ins System. Und eine Abkehr ist nicht in Sicht.

Eigentlich sollte alles ganz anders laufen. Eigentlich sollte die Geldschwemme längst ausgetrocknet werden. Eigentlich wollten die Notenbanken längst damit begonnen haben, die überschüssige Liquidität aus den Märkten abzuschöpfen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bereits im Sommer 2009 ihre "Exit-Strategie" umrissen und gegen Ende des Jahres konkretisiert. Andere Notenbanken wollten ähnlich vorgehen.

Daraus wird nichts. Die Staatsfinanzkrise, vor allem im Euro-Raum, verschiebt einen Ausstieg aus den Liquiditätsprogrammen immer weiter in die Zukunft. Mit potenziell dramatischen Folgen: Weitere, noch größere Blasen an den Kapitalmärkten dürften sich aufpumpen, die Inflationsraten schmerzhaft anziehen, die Schuldenorgie des vergangenen Jahrzehnts könnte einem neuen Höhepunkt zustreben.

Ein Ende der Instabilität ist nicht in Sicht - auch wenn die Bürger und die Wirtschaft die Rückkehr auf einen nachhaltig stabilen Wachstumspfad ersehnen. Ist die nächste Krise unausweichlich?

Vor ein paar Monaten sah die Welt noch anders aus. Anfang des Jahres mehrten sich die Zeichen für einen Aufschwung der Weltwirtschaft. Entsprechend gingen Marktbeobachter davon aus, dass viele Notenbanken noch 2010 beginnen würden, die Zinsen anzuheben. 13 Notenbanken würden dieses Jahr auf einen strafferen Kurs einschwenken, sagten beispielsweise die Analysten von Morgan Stanley vorher. Sie würden, so die Erwartung, jenem Kurs folgen, den als erste die israelische Notenbank - geführt vom renommierten Ökonomen Stanley Fischer - bereits im dritten Quartal 2009 eingeschlagen hatte.

Doch binnen weniger Monate hat sich das Bild völlig verändert. Nun rechnen die Morgan-Stanley-Analytiker nur noch mit Zinsschritten bei sechs Notenbanken. Vor allem: Bei den beiden wichtigsten Notenbanken der Welt, die amerikanische Fed und die EZB, ist eine straffere Geldpolitik frühestens ab dem kommenden Jahr zu erwarten.

Und wer weiß, was bis dahin noch alles passiert - Fast-Zusammenbrüche von Staaten und Banken -, wodurch ein Einstieg in eine Politik des knappen Geldes abermals verhindern wird. Dass die EZB seit einigen Wochen Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Staaten aufkaufen muss, zeigt, wie angespannt die Situation gegenwärtig ist.

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