Von Arvid Kaiser
Ackermann zeigt sich als starrsinniger Interessenvertreter der Banken. Aber trotz allen öffentlichen Streits pflegt er die Kontakte zur Politik und äußert sogar Verständnis dafür, dass er als Sündenbock herhalten müsse.
Er ist ein Mann des Geldes. Aber er zeigt sich privat als Feingeist und Opernliebhaber, und sagt "Banken müssen den Menschen dienen".
Auch 2009 hat Ackermann wieder mehr verdient als alle Dax-Kollegen und auch die meisten ausländischen Bankchefs. Aber er legt Wert darauf, keinen Luxus zur Schau zu stellen.
Er sagt, "Gewinn ist nicht alles, aber ohne Gewinn ist alles nichts". Er ist aber durchaus in der Lage, den Sinn des Geldgeschäfts zu hinterfragen. Ackermann hat bei dem liberalen St. Galler Wachstumskritiker Hans Christoph Binswanger promoviert, der unter anderem fordert, den privaten Banken die Geldschöpfung zu verbieten.
Josef Ackermann räumt ein, dass man darüber reden könne, die Größe und Macht der Banken zu beschneiden. Dann müsse man aber auch darüber reden, was das an Wohlstand koste. Er teilt die These seines Doktorvaters, dass die Kreditexpansion einen Zwang zu - möglicherweise unhaltbarem - weiterem Wachstum ausgelöst habe, weil es unmöglich ist, alle Vermögensansprüche aus der aktuellen Wirtschaftsleistung zu bedienen. Aus diesem Spiel auszusteigen, liegt ihm als einem der führenden Spieler aber fern. Er hat die Spielregeln nicht gemacht. Aber er legt alles daran, sie bestmöglich zu befolgen.
Auf allen Ebenen ist Ackermanns Bemühen zu erkennen, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Eigene Ziele - über die berühmten 25 Prozent Rendite und einen Platz unter den fünf führenden Banken hinaus - lässt er nicht durchscheinen. Wenn Josef Ackermann abtritt, wird er den Charakter der Deutschen Bank nicht wesentlich verändert haben. Er wird nur die Arbeit seiner Vorgänger fortgesetzt und die bereits angelegten Stärken der Bank perfektioniert haben.
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