Von Karsten Stumm
mm: Herr Weiss, Millionen Bundesbürger sind in Sorge um ihr Geld. Um die Milliarden, die nach Griechenland fließen. Um den Wert der eigenen Währung, seitdem der Euro-Kurs sinkt. Einzig Deutschlands Exporteure scheinen sich zumindest darüber freuen zu können. Ihr Unternehmen etwa hat viele Kunden in China. Können wenigstens Sie dem Euro-Wertverfall etwas Gutes abgewinnen?
Weiss: Der hilft uns im Moment in der Tat. Aber ich fühle mich damit nicht wohl. Diese vorübergehende Hilfe steht auf einem brüchigen Fundament. Was nützt es, wenn das Unternehmen ein paar Jahre Vorteile hat durch den vergleichsweise günstigen Euro-Kurs - aber unser gesamtes Land und seine Bürger in eine dauerhafte Inflationsphase hineinschlittern.
mm: Für manche Exporteure werden schon allein die jetzigen schlagartigen und heftigen Devisenkursänderungen zum Problem. Leiden Sie nicht darunter?
Weiss: Sämtliche Aufträge werden nach Unterzeichnung von uns sofort währungs- und kreditversichert, auch wenn das etwas mehr kostet. Bei der Größe unserer Projekte könnten wir sonst das Risiko nicht tragen.
mm: Fühlen Sie sich eigentlich noch als Unternehmer wohl in unserem Land, wenn es plötzlich eine Auf-und-Ab-Währung hat?
Weiss: Nein, denn ich befürchte, dass die Euro-Krise in einer Weichwährung endet. Inflation zuzulassen ist extrem verantwortungslos und unsozial. Es trifft vor allem die weniger Wohlhabenden, die sich von ihrem Einkommen ein paar Euro auf die hohe Kante gelegt haben. Ich denke in diesem Fall also weniger an unser Unternehmen als an die Bevölkerung, die sich nicht vor Inflation schützen kann.
mm: Bald könnten aber auch auf Sie als Unternehmer erhebliche Belastungen zukommen. Zumindest das Streichen von Subventionen wird doch wahrscheinlicher, oder? Schließlich muss Bundeskanzlerin Angela Merkel den Bundeshaushalt infolge der Euro-Krise baldmöglichst in den Griff bekommen. Und die ersten Vorschläge zum Subventionsabbau liegen bereits auf dem Tisch.
Weiss: Das muss auch gemacht werden. Weniger Subventionen helfen nicht nur, das Geld in der Staatskasse beisammen zu halten. Es fördert auch die Gerechtigkeit, weil dann nicht einige Unternehmen bevorzugt behandelt werden.
mm: Fühlen Sie sich denn jetzt ungerecht behandelt? Sie machen mit Ihrem Unternehmen doch Milliardenumsätze.
Weiss: Unser Unternehmen erhält keinerlei Subventionen. Auch die jetzt angedachten Hilfen für die Automobilindustrie zur Entwicklung von Elektroautos sind nicht angebracht. Es gehört doch zur selbstverständlichen Aufgabe jedes Unternehmens, aus der eigenen Substanz heraus wettbewerbsfähig zu bleiben und dazu die nötigen Zukunftstechnologien zu entwickeln. Wenn unsere Maschinen und Anlagen technologisch rückständig sein sollten, müssen wir in die technische Entwicklung investieren - und zwar unser Geld. Das kann nicht Aufgabe der Steuerzahler sein.
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