Samstag, 4. Februar 2012, 04:25 Uhr

manager magazin



20.05.2010
 

Euro-Krise

Warum wir nicht Zahlmeister Europas sind

Ein Gastbeitrag von Thomas Grüner

Die Bundesbürger werden derzeit gerne als "Zahlmeister" oder "Deppen Europas" bezeichnet. Was bei der Diskussion um die milliardenschweren Rettungsschirme gern übersehen wird, erläutert Vermögensverwalter Thomas Grüner in einem Gastbeitrag: Deutschland profitiert doppelt von der Euro-Krise.

Selten habe ich so ein konzentriertes mediales Trommelfeuer wie in den vergangenen Wochen erlebt. Beinahe jede Titelgeschichte befasste sich mit den Themen Schuldenkrise, Inflation, Gold als Fluchtwährung, drohende Währungsreform, mögliche Staatsbankrotte, Griechenlandpleite und dem Euro-Verfall.

Weicher Euro: Die deutsche Exportwirtschaft profitiert - und Deutschland fließt obendrein zu niedrigen Zinsen zu
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DPA

Weicher Euro: Die deutsche Exportwirtschaft profitiert - und Deutschland fließt obendrein zu niedrigen Zinsen zu

Auffällig, dass sich nicht nur Fachpublikationen mit dem Thema befassen. SPIEGEL, Stern, Bild und Focus haben die Wirtschaftskrise als Topp-Themen auf den Titelbildern. Immer wenn dieses Phänomen auftritt, nähert sich eine Krise ihrem Höhepunkt und ist in den Köpfen aller Marktteilnehmer präsent.

Der drastische Kursrutsch an der New Yorker Börse vom 6. Mai 2010 markiert den bisherigen Höhepunkt der Kurssprünge. Zeit für Panik. Die Angst regiert. Aber Stopp! Jetzt ist es an der Zeit, um in Ruhe die Situation zu analysieren.

Die Evolution hat unser Gehirn auf solche Situationen an den Finanzmärkten schlecht vorbereitet. Viele dieser grundsätzlichen Verhaltensweisen und psychologischen Muster habe ich in meinem Buch "Die acht größten Fallen für Geldanleger - und wie man sie vermeidet" beschrieben. Selten waren diese Faktoren so weit verbreitet wie heute.

Das simple Gesetz von Angebot und Nachfrage

Polikern und Talkshowplauderern, die jetzt Verschwörungstheorien pflegen und die Schuld allein bei Bankern und bösen Spekulanten suchen, möchte man zurufen: "Sie lassen den fundamentalen Grundsatz von Angebot und Nachfrage außer Acht". Selten hat diese in meinem Buch als Falle Nummer 4 beschriebene Falle besser gepasst als heute.

Preise an den Finanzmärkten werden immer durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Dies gilt neben Aktien natürlich auch für Anleihen und Devisen. Die Flucht aus griechischen Staatsanleihen führt zu geringeren Kursen dieser Anleihen, da Investoren erst bei einem deutlich geringeren Kursniveau bereit sind, dieses erhöhte Risiko eines griechischen Ausfalls zu tragen.

Beim Euro Chart zeigen verhält sich dies ähnlich. Gegenüber fast allen Währungen hat die europäische Währung deutlich verloren. Der noch vor wenigen Monaten - bei Kursen über 1,50 Dollar - hoch gelobte Euro sollte den US-Dollar als Reservewährung Nummer eins ablösen. Heute kämpft er dagegen angeblich um sein Überleben. Beide Sichtweisen sind völlig übertrieben. Der Euro wird natürlich überleben und den US-Dollar aber auch auf absehbare Zeit nicht als weltweit wichtigste Reservewährung ablösen. Derzeit werden lediglich die lange verdrängten Probleme Europas in das aktuelle Kursniveau eingepreist.

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