Von Helmut Reich
"Das sind alles positive Zukunftsaussichten", sagt Kreuz, "doch wichtig ist, dass die Unternehmen die strukturellen Veränderungen der Krise annehmen". So haben die chemischen Rohstoffmärkte einen weitaus stärkeren globalen Zuschnitt erhalten, es treten vermehrt staatlich finanzierte M&A-Aktivitäten aus Asien am Markt auf und es kommt zu einem Wegfall von schwächeren Firmen.
Für all diese drei Entwicklungen sollten die hiesigen Chemieunternehmen vorbereitet sein. "Die Kapazitäten zur Rohstoffproduktion müssen weiter ausgebaut werden", lautet daher ein Rat von Kreuz. So sei der Aufbau globaler Sourcing-Aktivitäten zur Identifikation wichtiger Liefermärkte unumgänglich genauso wie ein möglichst perfektes Marktwissen zur Nutzung kurzfristiger Marktopportunitäten.
"Auf dem Übernahmemarkt lautet die Devise 'Schütze dich selbst'", so Kreuz. Hier rät er zu einer bewussten Ausnutzung neuer Akteure hin zu einer aktiven Portfoliobereinigung. Es sei wichtig, neue Investoren aktiv anzusprechen, um Partnerschaften zu schließen und eigene Vorteile zu sichern. Gleichzeitig müssten Nischen, bei denen die Verteidigung gegenüber möglicher Übernahmen sinnvoll und durchführbar ist, abgesichert werden.
In Sachen Marktrestrukturierung sei es zudem ratsam, die Komplexität im Konzern zu reduzieren. So müsse das gesamte Produkt- und Kundenportfolio genauso in Frage gestellt werden wie viele einzelne Unternehmensteile. "Hinzu kommen ein aktives Preismanagement sowie das Anpassen der Organisationsstrukturen und der Lieferantenbeziehungen". Tipps, die nicht nur für die Chemiebranche gelten, sondern für alle Industrieunternehmen, die sich im globalen Wettbewerb befinden.
Speziell für die Chemieindustrie sind jedoch die Aussichten, die Kreuz den Mitgliedern der manager-lounge mit auf dem Weg gibt: "Der asiatische Markt wird bis zum Jahr 2020 größer sein als Europa und die USA zusammen. China wird dabei mehr als ein Viertel des Weltmarktes ausmachen, während Europa und Nordamerika langfristig weiter verlieren", sagt Kreuz.
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