Von Helmut Reich
Hamburg - Wird die Wirtschaftswelt nach der Krise genauso aussehen wie zuvor? Diese Frage stellt Werner Kreuz den Mitgliedern der manager-lounge. Die Antwort des erfahrenen A.T.-Kearney-Beraters heißt natürlich "Nein". Es werde eine Menge Gewinner und Verlierer geben, prophezeit der Wirtschaftsexperte. Und frühestens im Jahr 2012 werde die deutsche Industrie wieder das Vorkrisenniveau von 2008 erreichen.
"Bis dahin muss der Standort Deutschland nachhaltig restrukturiert werden", fordert Kreuz. Wie das am besten zu bewerkstelligen sei, zeigt er am Beispiel der Chemiebranche. Diese musste im vergangenen Jahr starke Einbrüche in allen Bereichen hinnehmen. So sackte der Auftragseingang im ersten Halbjahr um 21 Prozent ab, die Produktion ging um 16 Prozent zurück, der Export gar um ein Viertel.
Das machte sich sofort auch bei den Investitionen bemerkbar, hier gab es einen Rückgang von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Negativfolgen für das Gesamtjahr waren bei den führenden deutschen Chemiekonzernen mehr als deutlich: Minus 20 Prozent beim Umsatz und minus 17 Prozent beim Gewinn. Lediglich die Beschäftigungszahlen blieben nahezu konstant - vor allem dank der Kurzarbeit.
"Trotzdem hat die deutsche Chemieindustrie in den vergangenen fünf Jahren besser abgeschnitten als der Wettbewerb", berichtet Kreuz. Besonders beim Wertewachstum, der "Compound Annual Growth Rate" (CAGR), lagen Unternehmen wie Bayer in den Jahren 2005 bis 2009 über dem Branchendurchschnitt. "Darüber hinaus zeigen die Wachstumskerne der Chemieindustrie ein signifikantes Beschäftigungs- und Umsatzpotential auf", so Kreuz.
Zu diesen Wachstumskernen gehört beispielsweise die "Weiße Biotechnologie". Bei der industriellen Produktion organischer Grund- und Feinchemikalien sieht die Beratungsgesellschaft A.T.Kearney bei der Beschäftigungsentwicklung bis zum Jahr 2013 ein Potenzial von 135 Prozent, beim Umsatz sogar 146 Prozent. Noch höher fallen diese Werte für die Nanotechnologie aus.
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