10.05.2010
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Euro-Krise

Erst Europa, dann die ganze Welt

Von Karsten Stumm

2. Teil: Angst vor neuer Bankenstarre

Bereits jetzt scheinen die Banker weltweit zittrige Hände zu bekommen. Vor allem am weltgrößten Finanzplatz in New York steigt die Nervosität. Schließlich haben die US-Banken ihren Geschäftspartnern in Europa insgesamt 3,6 Billionen Dollar geliehen, hat die Bank für internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) ermittelt. Davon etwa eine Billion an Finanzinstitute und Kunden in Deutschland und Frankreich, die selbst wiederum zu den größten Kreditgebern Südeuropas gehören; nach BIZ-Angaben haben die französischen und hiesigen Finanzinstitute allein staatlichen und privaten Kunden in Italien und Spanien derzeit 1,16 Billionen Dollar geliehen. Die an sich sehr robusten deutschen und französischen Finanzhäuser aber sind wiederum stark mit denen in Amerika verflochten.

Euro-Rettungsplan: EU-Währungskommissar Rehn und Spaniens Finanzministerin Salgado präsentieren die Details
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DPA

Euro-Rettungsplan: EU-Währungskommissar Rehn und Spaniens Finanzministerin Salgado präsentieren die Details

So schließt sich der Kreis der Risikogesellschaft, und unter den Banken geht wieder die Angst um. Droht erneut ein systemisches Risiko für die globale Finanzwirtschaft? Eine neue Art von Lehman-Krise? Ausgehend dieses Mal von Staatschulden, nicht von privaten Risiken? Das erste Indiz für den steigenden Pulsschlag war jedenfalls schon zu beobachten: Am Freitag sind die Zinssätze, zu denen sich Banken über Nacht untereinander Geld leihen, deutlich gestiegen.

Zwar kletterten dieser Risikoausgleich bei weitem nicht auf solche Höhen, wie zur Zeit der Finanzkrise, als dieser Markt zwischenzeitlich drohte auszutrocknen. Aber die nervöse Wende ist bereits zu bemerken. Genau deshalb hat der Rat der Europäischen Zentralbank über Nacht beschlossen, private und öffentliche Schuldverschreibungen der Euro-Staaten aufzukaufen. Ob die Spekulation damit ein Ende hat, bleibt abzuwarten. Weil die EZB darauf verzichtet hat, eine Dimension ihrer Unterstützung anzugeben, gegen die dann spekuliert werden könnte, besteht immerhin eine gute Erfolgschance aus Sicht Europas.

Noch mögen viele Bürger außerhalb der Europäischen Union zwar erschüttert auf die Fernsehbilder aus Griechenland schauen. Aber glaubend, nie direkter betroffen zu sein. Doch die Nachricht, die unter den TV-Bildern liegend mit aus Griechenland und Europa in die Welt gesendet wird, ist eine andere:

Aktuell ist Europa unter Feuer, aber es kann jeden Staat treffen. Unerwartet, weil Anleger ohne Vorwarnung nicht mehr bereit sind, das Risiko der Staatsschuldenwirtschaft mitzutragen. Global, weil die Wirtschaftsgebiete miteinander verwoben sind. Und ohne Ansehen großer Namen, weil selbst wichtige Wirtschaftsnationen wie die Vereinigten Staaten oder Großbritannien aufgrund ihrer hohen Auslandsverschuldung besonders anfällig für Spekulationswellen auf den Finanzmärkten sind.

Viel zu lange ist über die möglichen, gefährlichen Folgen der Staatsverschuldung nur geredet worden. Jetzt sind die Konsequenzen zum Greifen nahe. Damit ist die Staatsverschuldung von einer abstrakt scheinenden, theoretischen Gefahr zu einem realen, existenziellen Sicherheitsrisiko vieler Staaten geworden. Nicht nur in der Euro-Zone.

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