Galbraith: Das ist sehr ambitioniert, ich weiß, aber so ähnlich müsste man schon vorgehen. Die zahlende Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, dass die Vorgänge, die in diese unglaubliche wirtschaftliche Krise geführt haben, so gründlich wie möglich aufgearbeitet werden. Es gibt noch so viele offene Fragen auf diesem Gebiet, bis heute! Zum Beispiel hat sich noch niemand die faulen Darlehensverträge genau angesehen, die den toxischen Finanzprodukten, den Auslösern der Krise, zugrunde liegen. Auch wissen wir noch zu wenig über das Verhalten der Ratingagenturen in dieser Zeit.
mm: Schon, wenn man nur Teile ihrer Vorschläge umsetzte, würde der US-Finanzsektor, wie wir ihn heute kennen, zerschlagen.
Galbraith: Und das wäre gut so. Viele Geldhäuser sind zu groß, der gesamte Finanzsektor ist zu groß. Es gibt zu viele Banken, die keinen anderen Zweck verfolgen als Profit zu generieren, indem sie völlig von der Realwirtschaft losgelöste Geschäfte betreiben. Die meisten von ihnen sind in den vergangenen 15 oder 20 Jahren groß geworden, im Zuge einer umfassenden Deregulierung. Wir müssen uns wieder auf die Grundfunktion von Banken konzentrieren, ihren gesellschaftlichen Zweck: Sie sollen private und unternehmerische Aktivitäten finanzieren und so ermöglichen. Banken sind dazu da, der Gesellschaft zu dienen. Dafür müssen viele von ihnen verkleinert, manche aufgelöst werden.
mm: Ist das politisch realistisch?
Galbraith: Vergessen Sie nicht, dass die US-Bankenregulierung der 1930er-Jahre ziemlich genau so aussah. Die Gesellschaft, die Wähler, die Steuerzahler sollten diese Reformen einfordern! Eine von Bankern kontrollierte Gesellschaft, in der nur das Wohl der Banken zählt - das ergibt überhaupt keinen Sinn.
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