Washington - Das hoch verschuldete Griechenland wird noch heute Finanzhilfe beantragen. Regierungschef Giorgos Papandreou werde "in der kommenden Stunde" bei EU und Internationalem Währungsfonds um Hilfe bitten, erfuhren mehrere Nachrichtenagenturen am Freitagvormittag aus griechischen Regierungskreisen. "Die Würfel sind gefallen, Griechenland wird sich heute an den EU/IWF-Hilfsmechanismus wenden", meldetet auch die Tageszeitung "To Vima" auf ihrer Internetseite.
Der Euro legte in Frankfurt zum Dollar infolge der Nachricht zu. Zugleich verringerte sich der Risikoaufschlag für fünfjährige griechische Staatsanleihen.
Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass das griechische Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr noch höher ausfiel als ursprünglich angegeben. Daraufhin stieg der Risikoaufschlag für griechische Staatspapiere erneut, wodurch es für das hoch verschuldete Land immer teurer wird, sich zu refinanzieren.
Die Euro-Staaten hatten zusammen mit dem IWF ein Hilfspaket geschnürt, nach dem Deutschland den Griechen in diesem Jahr mit maximal 8,4 Milliarden Euro helfen soll. Das Gesamtpaket der Europartner umfasst für dieses Jahr 30 Milliarden Euro, der IWF könnte weitere 15 Milliarden Euro zuschießen. Der Hilfsantrag Griechenlands muss von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF geprüft werden. Die Auszahlung des Geldes muss dann noch formell von den Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten einstimmig beschlossen werden.
Zuvor hatte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn erwartet, dass Griechenlands "innerhalb der nächsten zwei Wochen" offiziell um Hilfe bittet, nachdem die Gespräche in Athen zwischen der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem IWF über letzte Details des avisierten Hilfspakets abgeschlossen worden seien, sagte Rehn in Washington. Zudem könnte dem massiv verschuldeten Land mehr Zeit gegeben werden, um das Budgetdefizit abzubauen.
Rehn bezeichnete die Marktreaktion vom Donnerstag als "verrückt". Das schwindende Vertrauen der Investoren in die Fähigkeit des Mittelmeerlandes, seine Staatsfinanzen zu sanieren, bedeute, dass ein Ingangsetzen des Hilfsmechanismus nur eine Frage der Zeit sei.
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