Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Eben noch wollte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) der Bahn die Visionitis austreiben und aus dem Unternehmen Deutsche Bahn wieder vor allem eine deutsche Bahn machen. Eben noch wollte Konzernchef Rüdiger Grube Bescheidenheit üben, die Verschuldung zurückfahren und sich ganz auf das "Brot- und Buttergeschäft" konzentrieren, wie er es nannte. Und jetzt fädelt die Deutsche Bahn die größte Übernahme ihrer Geschichte ein, will für 2,7 Milliarden Euro den britischen Bahn- und Busbetreiber Arriva kaufen.
Bahn-Chef Grube mag wohlklingende Gründe für den Deal anführen - Erschließung internationaler Märkte, die Abwehr des angeblich so gefährlichen französischen Rivalens SNCF. Und gewiss liegt ihm auch eine Berechnung vor, dass das Geschäft sich betriebswirtschaftlich lohnt - wenn nichts schief läuft.
Indes: Bei ihren eigentlichen Aufgaben bringt der teure Zukauf die Bahn kein Stück weiter. Die Bahn, mit Steuermilliarden gepäppelt, bleibt im eigenen Land weit unter ihren Möglichkeiten. Das Management aller Ebenen wirkt schon jetzt überfordert. Der Neuerwerb wird die Überforderung verschärfen, nicht lindern.
Erst recht schafft die Übernahme keine Perspektive für die Eigentümer der Bahn, die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes. Was haben sie eigentlich davon, dass ihnen die Deutsche Bahn gehört? Dürfen sie irgendwann einmal mit Dividende oder Erlösen am Kapitalmarkt rechnen?
Die alte Doktrin unter Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn lautete: Wir bauen mit Zukäufen einen Weltkonzern auf und dann verkaufen wir einen Teil dieses Champions an der Börse. Die Mehdorn-Linie ist allerdings krachend gescheitert. Die meisten Zukäufe enttäuschten. Und die zu erwartenden Erlöse eines Teilverkaufs des Komplettkonzerns - das belegen diverse Gutachten - brächten nur völlig unzureichende Summen ein.
Sinnvoller für die Bürger wäre eine andere Linie: Einerseits eine Naturaldividende durch brillante Leistungen zu günstigen Preisen. Andererseits gute Erlöse durch gezielte Verkäufe einzelner Unternehmensteile, die nicht zum Kern gehören.
Die Arriva-Übernahme hingegen, so wirkt es, setzt genau das alte, überholte Denken fort. Bahn-Chef Grube ist dabei noch der geringste Vorwurf zu machen. Er denkt und optimiert in den Grenzen seines Konzerns, und da mag der Arriva-Deal auf den ersten Blick sinnvoll sein. Für die große Perspektive ist der Verkehrsminister zuständig. Er aber hat die Chance verpasst, in der Bahn-Politik wirklich umzusteuern. So bleibt es, wie es schon bei Mehdorn war. Die Bahn-Politik macht nicht der Eigentümer, sondern das Management, indem es ungehemmt Fakten schafft.
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