Von Arvid Kaiser
Hamburg - Noch bevor Goldman Sachs
an diesem Dienstag abermals von einem
überraschend hohen Milliardengewinn berichtete, gab die Deutsche Bank
eine Kaufempfehlung für die Aktie der New Yorker Investmentbank ab. Analyst Michael Carrier ging in seiner Studie vom Montag mit dem Kursziel von 220 Dollar ausdrücklich auf die Klage der Börsenaufsicht SEC
wegen Betrugsverdachts ein. Die starken Kursverluste seien "eine Überreaktion", Goldman-Aktien angesichts des guten Risikomanagements der Bank "attraktiv bewertet". Die Klage werde ein "Einzelfall" bleiben, vollständige Aufklärung sei "nur schwer herbeizuführen".
Behielte Carrier Recht, würde das auch seinem Arbeitgeber nutzen - vor allem, wenn es um die Passage mit dem "Einzelfall" geht. Denn die SEC hat laut Medienberichten längst auch die Deutsche Bank im Visier. Die Vorwürfe ähneln denen, deretwegen der britische Premier Gordon Brown Goldman Sachs "moralischen Bankrott" bescheinigt, deutsche Politiker einen Boykott erwägen, mehrere Firmen eigene Klagen prüfen.
"Einige Marktteilnehmer glauben, dass die Deutsche Bank von dieser Affäre stärker betroffen sein wird als andere Investmentbanken", sagt Branchenanalyst Konrad Becker von Merck Finck. Insgesamt stehe "nicht Goldman Sachs vor Gericht, sondern das Investmentbanking als solches, mit der Galionsfigur Goldman". Zugleich kündigt die SEC weitere Ermittlungen wegen ähnlicher Geschäfte von Ende 2006 und Anfang 2007 an. Im Dezember bekamen laut "Financial Times" acht der weltgrößten Investmentbanken Vorladungen von der SEC, darunter neben Goldman Sachs auch die Deutsche Bank.
Beide Institute sind trotz einiger Blessuren mit dem Nimbus der Gewinner aus der Finanzkrise hervorgegangen, haben zugleich aber den Zorn vieler Verlierer der Krise auf sich gezogen. Beide haben früher als andere erkannt, dass der Preisverfall von US-Immobilien zu Kreditausfällen führen würde, und mit der Wette darauf Milliarden verdient - während sie weiterhin Kreditderivate wie Collateralized Debt Obligations (CDOs) verkauften und ihre Kunden damit auf die Verliererseite schickten.
Doch das allein ist nicht verboten. "Der bloße Fakt, dass die Deutsche Bank CDOs emittiert und möglicherweise selbst gegen den Markt gewettet hat", macht sie in Beckers Augen nicht zu einem zweiten Fall Goldman. Denn "dort lautet der Vorwurf Betrug", erklärt der Analyst.
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