Aus Hannover berichtet Kai Lange
Hannover - Italien hat Großes vor. Die Wirtschaft ist im Krisenjahr 2009 um rund 5 Prozent geschrumpft, die Staatsverschuldung auf 117 Prozent des BIP emporgeschnellt. Eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit und fallende Marktanteile setzen die Regierung um Ministerpräsident Silvio Berlusconi unter Handlungsdruck: Sie weist jeden Vergleich mit den europäischen Krisenstaaten Portugal, Irland, Griechenland und Spanien weit von sich. Man mag nicht das zweite "I" unter den "PIIGS"-Staaten sein.
Dass Italien in diesem Jahr als Partnerland der weltgrößten Industriemesse in Hannover auftritt, kommt Berlusconi daher gelegen: Das Land präsentiert sich mit 300 Unternehmen unter den insgesamt 4600 Ausstellern als eine moderne Industrienation, die vor allem mit den Zukunftsthemen Nachhaltigkeit, Elektromobilität und erneuerbare Energien punkten will. Probleme und Kritik an sinkender Wettbewerbsfähigkeit bleiben zu Hause: Italien werde gemeinsam mit Deutschland eine "grundlegende Rolle bei der wirtschaftlichen Wiederbelebung in Europa spielen", sagte Claudia Scajola, Minister für wirtschaftliche Entwicklung, zur Eröffnung der Messe.
Alles auf Solar: Enel übt den Zeitensprung
Doch die Wirtschaft in Europa, vor allem die Wirtschaft in Italien, werden nicht binnen eines Tages belebt. Der Weg zu alter Stärke ist weit, wie auch Ministerpräsident Berlusconi erfahren musste: Die Vulkanasche am Himmel hinderte ihn daran, dem Eröffnungsrundgang mit Angela Merkel zusätzliche Grandezza zu verleihen. Minister Scajola bemühte sich nach Kräften, an der Seite der Kanzlerin einen ähnlichen Optimismus zu versprühen wie sein Chef. Gemessen an der industriellen Produktion sei man gemeinsam mit Deutschland spitze in Europa, so Scajola. Italien werde zeigen, dass man "Teil der großen europäischen Initiative in der Energiepolitik ist."
Wo also sind sie, die Champions aus Italien im Bereich der erneuerbaren Energien? Selbstbewusst präsentiert sich Italiens größter Energiekonzern Enel
. Der blitzweiß gestylte Messestand erinnert mit seinen unzähligen Flachbildschirmen und einer sich drehenden Weltkugel ein wenig an den Kommandostand des Raumschiffs Enterprise: Als habe der Konzern einen Zeitsprung aus dem Öl- und Gaszeitalter direkt in das Solarzeitalter bereits vollzogen, bestimmen große Parabolspiegel und Fotovoltaikanlagen den Auftritt des zweitgrößten europäischen Versorgers.
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