mm: Wird es bei Kooperationen bleiben, oder erleben wir bald wieder echte Fusionen in der Branche?
Becker: Die Form der Kooperationen wird zunächst dominieren. Diese Partnerschaften sind aber häufig die Vorstufe für Fusionen. Damit meine ich keine Übernahme im klassischen Sinne. Das macht keiner mehr, seit die Experimente von Daimler mit Chrysler und BMW
Chrysler war der letzte Ausrutscher einer Übernahme. Dieses Risiko geht keiner mehr ein. Wenn die Kooperationen sachlich und kulturell funktionieren, können Hersteller peu à peu immer enger zusammenarbeiten. Kooperationen sind dann faktisch der erste Schritt einer endgültigen Verschmelzung.
mm: Was bedeutet das für den gesamten Markt?
Becker: Wir haben schon jetzt ein enges Oligopol. In den 60er-Jahren gab es noch 62 selbstständige Automobilhersteller. Mittlerweile hat sich diese Zahl auf zwölf vermindert. Bis vor Kurzem waren es 13, nun ist Porsche
als eigenständiger Hersteller weggefallen. Langfristig wird der Markt weiter bereinigt und noch enger werden, zumindest in den etablierten Märkten.
mm: Immerhin gibt es neue Anbieter in China und Indien.
Becker: Langfristig gesehen stimmt das, aber die rechne ich da noch nicht hinein. Was die anbieten, ist noch nicht weltmarktfähig. Sie basteln etwas zusammen, was Räder hat und den Ansprüchen der heimischen Kundschaft auch voll entspricht. Heraus kommt bisher ein robuster und preiswerter Regenschutz, der manchmal leider noch leicht entflammbar ist.
mm: Wie lebt es sich in dem von Ihnen skizzierten Oligopol der Autohersteller?
Becker: Als Produzent ungemütlich, als Verbraucher sehr angenehm. Je enger die Märkte werden, desto schärfer wird der Wettbewerb - mit allen Folgen für die Gewinnmargen der Hersteller wie für Beschäftigte und Zulieferer. Der Kunde profitiert - jedenfalls so lange, bis das Oligopol so eng geworden ist, dass sich die Hersteller hinter verschlossenen Türen absprechen. Aber davon sind wir in der Automobilbranche noch weit entfernt. Als Verbraucher müssen wir dankbar sein, dass Daimler und Renault diesen Schritt gewagt haben. Andere werden folgen.
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