mm: Herr Becker, morgen muss Daimler-Chef Dieter Zetsche seinen Aktionären erklären, warum der größte deutsche Premiumhersteller künftig eng mit Renault-Nissan zusammenarbeitet - einer Firma, die in Deutschland vor allem mit den rumänischen Billigautos von Dacia Erfolg hat. Kann die neue Partnerschaft funktionieren?
Becker: Es ist natürlich ein Schlag ins Kontor für den größten deutschen Premiumhersteller, dass er so etwas nötig hat. Es war fast schon unwürdig, wie Daimler
verzweifelt einen Partner gesucht hatte. Die deutsche Nobelmarke, und keiner - auch Fiat
und Toyota
nicht - will mit ihr zusammenarbeiten.
Sieht man mal davon ab, ist die nun zustande gekommene Kooperation aber eine Win-win-Situation mit Potenzial. Sie ist die Chance, ein echtes europäisches Automobilunternehmen zu schaffen. Das wird etwas dauern, aber man muss dem Projekt auch Zeit zum Reifen geben.
mm: Wo sehen Sie langfristig konkret die größten Möglichkeiten der Partnerschaft?
Becker Kooperationen in der Automobilbranche werden in Zukunft vor allem dazu dienen, Kosten zu senken, nicht neue Fancy-Autos zu entwickeln. Dort setzt diese neue Verbindung an. Sie geht das Hauptproblem der Branche an: Die Hersteller müssen die Modellpalette bei gleichen Stückzahlen günstiger vorhalten - beispielsweise bei den hohen Entwicklungskosten über Einkaufsvorteile und Automatisierung.
Das zweite Thema sind die Investitionen in die Zukunft, so im Bereich der Entwicklung neuer Technologien und alternativer Antriebe. Nissan
ist in der Elektrobatterietechnologie sehr gut aufgestellt. Die haben eine Batteriefabrik nach der anderen eröffnet und wussten dabei genau, was sie tun. Nun könnte Daimler davon profitieren.
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