Neben dem Justizministerium hatte sich auch die gefürchtete US- Börsenaufsicht SEC in den Fall Daimler eingeschaltet. Der Konzern ist an der New Yorker Börse notiert. Zudem waren die Stuttgarter zu den Zeiten, auf die sich die Korruptionsvorwürfe beziehen, mit dem US- Wettbewerber Chrysler liiert.
Nach Ansicht der SEC gehörte Korruption zum Alltag bei Daimler. "Die Praxis bei Daimler, sich Geschäfte durch das Zahlen von Bestechungsgeldern an ausländische Regierungsbeamte zu sichern, war in etlichen wichtigen Sparten und Tochtergesellschaften verbreitet und durch das Topmanagement gedeckt", lautet das Fazit in der Anklageschrift.
Daimler selbst schweigt zu den Vorwürfen. Seit 2005 finden sich lediglich immer mal wieder Hinweise auf die laufenden Schmiergeld- Ermittlungen in den Geschäftsberichten. Daimler soll durch krumme Geschäfte mindestens 6300 Nutzfahrzeuge sowie 500 Autos verkauft haben. Die SEC beziffert den Umsatz auf 1,9 Milliarden Dollar und die illegalen Gewinne auf mindestens 91,4 Millionen Dollar.
Stimmt der Richter dem Vergleich zu, steht Daimler noch drei Jahre lang unter Beobachtung. Der ehemalige FBI-Chef Louis Freeh wird kontrollieren, ob der Autohersteller ab jetzt saubere Geschäfte macht. Die deutsche Justiz zeigt sich indes wenig interessiert. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft geht noch zwei Vorwürfen nach. In den US-Gerichtsunterlagen ist von mindestens 205 Zahlungen die Rede, viele Fälle sind detailliert aufgeführt.
Oft stellte Daimler danach überhöhte Rechnungen aus; das zuviel gezahlte Geld floss dann an die Regierungsbeamten. Oder Daimler machte Geschenke: Im Gegenzug für die Bestellung von 100 Lastwagen sei etwa ein gepanzerter Mercedes-Geländewagen an einen ranghohen Regierungsmitarbeiter in Liberia gegangen. Daimler hat bereits Rückstellungen für die Strafzahlungen gebildet.
manager magazin mit Material von dpa
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