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24.03.2010
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Korruptionsklage

Die Vergangenheit holt Daimler ein

Von Arvid Kaiser

2. Teil: Anklageschrift erwähnt Zahlungen bis in den Januar 2008

Bis 2002 habe es sogar einen "Cash Desk" in Stuttgart gegeben, von dem Daimler-Angestellte Bargeld abhoben, um damit in andere Länder zu fliegen und Aufträge einzukaufen. Auch Luxusgeschenke wie Ferienreisen und gepanzerte Mercedes-Fahrzeuge oder "besondere Rabatte" hätten zu Daimlers Bestechungsstrategie gehört.

Schattenmann: Daimler-Chef Dieter Zetsche hat Probleme mit der US-Justiz
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DPA

Schattenmann: Daimler-Chef Dieter Zetsche hat Probleme mit der US-Justiz

Besonders pikant ist, dass die Anklageschrift auch "bestimmte unsaubere Zahlungen bis in den Januar 2008" erwähnt. Denn mit dem Amtsantritt des neuen Vorstandschef Dieter Zetsche im Jahr 2006 brach nach Daimlers Lesart eine neue Ära an. Zetsche erklärte gleich zu Amtsantritt "null Toleranz gegenüber Korruption". Er ließ eine weltweite Compliance-Abteilung aufbauen und richtete den Posten des Chief Compliance Officers (seit November übt dieses Amt Gero Herrmann aus) direkt unterhalb des Vorstands ein.

Daimler heuerte die US-Anwaltskanzlei Skadden, die den Konzern von Grund auf durchleuchtete. Der Konzern engagierte auch den Ex-FBI-Chef Louis Freeh als Berater, der schon in der Clinton-Lewinski-Affäre ganz genau aufs blaue Kleid geschaut hatte.

Daimler sieht die Ermittlungen als olle Kamelle an. Im Geschäftsbericht für 2009 erklärt der Konzern, "wie bereits berichtet", ermittelten die US-Behörden umfassend. Der Konzern selbst habe "freiwillig Informationen seiner eigenen internen Untersuchung" bereitgestellt und "unsachgemäße Zahlungen" festgestellt. Man habe darauf mit der Compliance-Organisation und "Personalmaßnahmen" geantwortet und stehe "in Verhandlungen über die einvernehmliche Beendigung" des Verfahrens.

Die Stuttgarter verabschiedeten sich im Lauf der Affäre unter anderem vom Chef der Konzernrevision, dem Leiter der Rechtsabteilung, mehreren Vertriebsmanagern und dem Konzernrepräsentanten in China.

"Aufgeklärt und abgehakt", erklärte Daimler schon 2008 zu Ermittlungen wegen Bestechungen in der Bussparte Evobus, die in der Türkei, Russland und Usbekistan Aufträge gekauft hatte. Daimler selbst habe den Fall den Staatsanwaltschaften gemeldet. Die entscheidenden Manager seien gefeuert worden. Doch das reicht nun möglicherweise nicht mehr. Neben den Amerikanern bestätigt auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegenüber manager magazin laufende Ermittlungen gegen Daimler wegen Bestechung in mehreren Ländern, vor allem im Zusammenhang mit dem Verkauf von Bussen. Hier werden auch Fälle wie Zahlungen an private Unternehmen in Polen untersucht, die nicht unter das US-Gesetz fallen.

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