Von Lutz Reiche und Nils-Viktor Sorge
Hamburg/Berlin - Die deutsche Wirtschaft wehrt sich gegen Kritik am hohen Exportüberschuss der Bundesrepublik und einem niedrigen Lohnniveau, das den Wettbewerb verzerre. "Deutschlands gestiegene Wettbewerbsfähigkeit ist nicht auf Lohndumping zurückzuführen, sondern auf die Qualität und Innovation seiner Unternehmen und deren Produkte", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner gegenüber manager magazin. "Gerade die hohen Kosten haben die Innovation beschleunigt." Andere Wirtschaftsverbände äußerten sich ähnlich.
Zuvor hatte die französische Finanzministerin Christine Lagarde Deutschland vorgeworfen, seine Binnennachfrage zu wenig zu stärken und einseitig auf den Export zu setzen. In diesem Zusammenhang war auch die Rede von zu niedrigen Arbeitskosten in Deutschland, die seine Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten anderer EU-Mitglieder stärkten.
"Könnten diejenigen mit einem Handelsüberschuss ein bisschen was tun? (...) Es kann nicht nur darum gehen, Defizit-Regeln zu erzwingen", hatte Lagarde in der "Financial Times" gefordert. Deutschland habe in den vergangenen zehn Jahren einen "außerordentlich guten Job" gemacht, was die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und einen "sehr hohen Druck" auf die Lohnkosten angeht, sagte Lagarde. "Ich bin nicht sicher, ob das langfristig und für die ganze Gruppe ein haltbares Modell ist. Wir brauchen eine bessere Angleichung."
"Diese Forderung kann man so nicht stehen lassen!", sagte BGA-Präsident Börner. "Europa wird nicht dadurch wettbewerbsfähiger, indem man seinen Konjunkturmotor abwürgt." Die Hauptkonkurrenten der deutschen Wirtschaft säßen außerhalb Europas. Deutschland habe sich diesem Wettbewerb gestellt. "Träten wir jetzt auf die Bremse, würden wir nicht nur uns selbst schaden sondern auch der Europäischen Union - schließlich sind wir der größte Beitragszahler, weil wir erfolgreich sind."
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Lagarde am Montag widersprochen. Es sei nicht zielführend, wenn sich "einzelne Länder zurücknehmen, sondern gewinnbringender, wenn in Europa in eine gemeinsame Wachstumsstrategie investiert" werde, beschrieb der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin die Haltung der Regierungschefin.
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