Von Henrik Müller
All diese Gewichtsverlagerungen werden langfristige Folgen für die Verteilung von Wohlstand und Macht auf dem Globus haben. Das muss für den Westen kein Drama sein - wenn es denn gelingt, vernünftige und faire internationale Institutionen aufrecht zu erhalten.
Doch das ist ein Problem, insbesondere in der Währungspolitik. Gerade das Mega-Schwellenland China ist bislang nicht in der Lage, eine solide, eigenständige Geldpolitik zu betreiben. Nach wie vor ist der Yuan an den US-Dollar gekoppelt, künstlich wird der Wechselkurs viel zu niedrig gehalten. Eine rasche Aufwertung ist nicht zu erwarten, trotz kürzlicher Andeutungen von Notenbank-Chef Zhou Xiachuan. Der Internationale Währungsfonds, als internationale Institution eigentlich zuständig, ist in dieser Frage machtlos.
Das ist die eigentliche Gefahr für die Zukunft der Weltwirtschaft und für den neuen globalen Aufschwung: dass das Wachstum mit zu viel Liquidität unterstützt wird - dass eine Inflation von Assetpreisen (vulgo: Bubbles) oder von Güterpreisen den Keim der nächsten Krise legt.
Die Überhitzungssymptome sind bereits unübersehbar. Seit die US-Notenbank im Herbst 2008 auf Nahe-Nullzins-Politik schwenkte, explodiert in China die Kreditvergabe, weil die Pekinger Notenbank die ultraexpansive amerikanische Geldpolitik nachvollzieht.
Die Immobilienpreise ziehen an. Die Verbraucherpreise steigen inzwischen mit 3,5 Prozent - kein Drama, aber doch höchst unerwünscht in einem Land großer sozialer Unterschiede. In Indien liegt die Inflationsrate sogar bei 15 Prozent. Entsprechend groß sind die Probleme, die irgendwann bei einer Stabilisierung auftauchen werden.
Die strukturelle Verschiebung der globalen Machtverhältnisse ostwärts dürfte unumkehrbar sein. Damit einher geht aber eine viel größere Verantwortung der Schwellenländer für die Weltwirtschaft. Der Westen sollte die dortigen Regierungen drängen, diese Verantwortung wahrzunehmen.
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