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12.03.2010
 

Müllers Welt

Der Keim der nächsten Krise

Von Henrik Müller

Dieser Aufschwung verändert die Welt. Der Westen verliert Wohlstand, Macht und Bedeutung. Die Schwellenländer hingegen rücken in die erste Liga der Weltwirtschaft auf. Aber globale Verantwortung möchten sie noch nicht übernehmen.

Wir haben uns angewöhnt, die derzeitige Phase als zweite Weltwirtschaftskrise zu betrachten. Ähnlich wie in den 30er Jahren, sind alle wichtigen Volkswirtschaften parallel in eine tiefe Rezession gerutscht. Nun folgt ein relativ symmetrischer Aufschwung, der zwar langsam und mühsam ausfällt. Am Ende, in zwei, drei Jahren, so das verbreitete Urteil, werden wir zur Ausgangssituation zurückgekehrt sein. Ja, dies ist ein schlimmer Absturz, aber danach geht's weiter wie bisher.

Börse Shanghai: Die Wirtschaftsgewichte verschieben sich in die bisherigen Schwellenländer
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DPA

Börse Shanghai: Die Wirtschaftsgewichte verschieben sich in die bisherigen Schwellenländer

Die Wahrheit sieht anders aus: Diese Krise verändert die Welt. Das Schicksal der immer noch reichen Länder und der Schwellenländer entkoppelt sich zusehends - wobei letztere einen dramatischen Bedeutungsgewinn erleben, während der Westen am Rande des Zusammenbruchs entlang schrammt. Leider haben sich die wirtschafts- und währungspolitischen Institutionen noch nicht an die neue Lage angepasst. Weshalb die nächsten Probleme programmiert sind. Aber dazu später.

Aufschwung heißt heute: Seit dem Tiefstpunkt ist die Industrieproduktion in den OECD-Ländern um 5 Prozent gestiegen. Ein schönes Plus. Aber es genügt bei weitem nicht, um die Kapazitäten auszulasten. Denn der Output liegt immer noch um 15 Prozent niedriger als vor der Krise. Besonders ausgeprägt ist die Lücke übrigens in Deutschland, wo sie immer noch 20 Prozent beträgt. Überall sei der "Abstand zum Vorkrisenniveau noch sehr deutlich", so das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in seiner aktuellen Prognose.

Überall? Nein. In den Schwellenländern sieht die Situation nämlich ganz anders aus. In Asien ist die Produktion nach einem relativ milden Abschwung wieder kräftig gewachsen und liegt heute 20 Prozent über dem Vorkrisenniveau.

Der Westen stagniert, der Osten wächst. Dies ist das prägende Muster des Aufschwungs. Die Industrieländer, formuliert das IfW, erlebten eine "konjunkturelle Erholung mit zweifelhafter Substanz". Auch der Welthandel hat sich längst noch nicht von der Krise erholt. Real liegt das Volumen immer noch um 6,5 Prozent unter dem Niveau vom Sommer 2008, kurz bevor die Lehman-Pleite die Weltwirtschaft in die Tiefe riss.

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