Donnerstag, 9. Februar 2012, 21:43 Uhr

manager magazin



05.03.2010
 

Roland Berger

"Wirtschaftsregierung für Europa"

Von Jochen Eversmeier

Berater Roland Berger fordert die Einrichtung einer europäischen Wirtschaftsregierung. Die Schuldenkrise in Griechenland habe endgültig klargemacht, dass "Europa eine zentrale Institution braucht, die die wirtschaftlichen und fiskalischen Prozesse steuert", sagte Berger bei einem Auftritt in Hamburg.

Hamburg - Die Schuldentragödie der Griechen bereitet dem Altmeister der deutschen Beraterszene Kopfzerbrechen. Die Krise im Südosten des Kontinents habe deutlich gemacht, dass der Vertrag von Maastricht und damit der Euro-Stabilitätspakt, gescheitert sei, so Roland Berger vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten.

"Ohne Wirtschaftsregierung wird es nicht gehen": Roland Berger, Gründer und Aufsichtsratschef der Roland Berger Strategy Consultants
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DPA

"Ohne Wirtschaftsregierung wird es nicht gehen": Roland Berger, Gründer und Aufsichtsratschef der Roland Berger Strategy Consultants

Die wirtschaftliche Bedeutung Griechenlands sei zwar vergleichsweise gering. Das Land erwirtschaftet lediglich 2 Prozent des Bruttosozialprodukts der gesamten Euro-Zone. "Das ist etwa genauso viel wie der Anteil der Pleiteländer Berlin und Saarland am Bundeshaushalt zu D-Mark-Zeiten", so Berger. Und damals habe niemand die Stabilität der D-Mark infrage gestellt. Die Reaktion der Märkte zeige aber, dass die Lage beim Euro anders sei.

Der 72-Jährige nennt dafür zwei Gründe: Zum einen die Gefahr dass weitere Euro-Staaten im Gefolge Griechenlands in Not geraten könnten. In der Summe erwirtschaften diese sogenannten PIIGS-Länder (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) stattliche 36 Prozent des Bruttosozialprodukts der Euro-Zone. Selbst ohne Italien wären es immer noch beachtliche 20 Prozent.

Den zweiten Grund hält Berger für noch wichtiger: Die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Europäischen Union (EU) hat sich stark auseinanderentwickelt. Deutschland steht zum Beispiel bei den Lohnstückkosten deutlich besser da als bei der Euro-Einführung und hat damit im EU-Vergleich seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit verbessert. Andere Euro-Staaten, darunter die PIIGS-Länder, sind zurückgefallen.

Wer soll künftig garantieren, dass Euro-Länder nicht länger über ihre Verhältnisse leben und erforderliche Reformen einleiten? Für Strategieberater Berger ist die Antwort klar: "Europa braucht eine zentrale Institution, die die wirtschaftlichen und fiskalischen Prozesse steuert". Natürlich müsse die Europäische Zentralbank (EZB) unabhängig bleiben. Die EZB wäre aber vermutlich sogar froh, wenn sie einen politischen Ansprechpartner auf EU-Ebene hätte. "Ohne Wirtschaftsregierung wird es nicht gehen", ist sich Berger sicher, ohne weitere Details zu nennen.

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