Von Ulric Papendick
So also stirbt eine 220 Jahre alte Privatbank. Mit dürren Worten über Entlassungen, Abfindungen, über einen Sozialplan. In einigen Tagen wird die Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank
abgeschlossen sein. Das war's dann.
Der Untergang der einst so schillernden Kölner Privatbank ist besiegelt. Die letzten Einheiten des Investmentbankings, für die sich kein Käufer mehr findet, werden abgewickelt. Das hat das Institut heute bestätigt. Künftig wird Sal. Oppenheim eine Abteilung der Deutschen Bank sein, formal selbstständig, de facto aber nur ein kleines Rädchen im Getriebe des größten deutschen Geldhauses.
Gier und Größenwahn haben die Bank der Schönen und Reichen die Unabhängigkeit gekostet. Eine unfähige Bankiersclique um die einstigen Oppenheim-Chefs Matthias Graf von Krockow und Christopher Freiherr von Oppenheim hat die Bank sprichwörtlich verzockt. Um ihr eigenes Vermögen zu retten, mit dem sie für die Bankkundin Madeleine Schickedanz hafteten (siehe manager magazin 11/2009), haben die Edelleute die Bank bewusst immer tiefer in den Strudel um den Untergang des Warenhauskonzerns Arcandor geraten lassen. Eine derartige Interessenverquickung dürfte selbst in der nicht immer ganz transparenten Welt der Privatbanken einmalig sein.
Dem staunenden Beobachter bleibt ein Trost: Krockow und Co. müssen für ihr Versagen teuer bezahlen. Die Deutsche Bank, die im Prinzip von der Bundesregierung aufgefordert wurde, das strauchelnde Bankhaus aufzufangen, hat die Bedingungen der Rettungsaktion gnadenlos zu ihren Gunsten diktiert. Die knapp zwei Milliarden Euro inklusive eines Besserungsscheins, die der Frankfurter Branchenprimus für Oppenheim bezahlt hat, werden nahezu vollständig für die Rückführung von Schulden der Alteigentümer aufgezehrt. Damit nicht genug: Auch für nahezu alle weiteren Risiken müssen die Privatbankiers einstehen.
Den Familien Oppenheim und Krockow, die noch vor Jahresfrist zu den Reichsten dieser Republik zählten, wird am Ende nicht mehr viel bleiben. Dafür Mitleid aufzubringen, fällt schwer.
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