Von Henrik Müller
Ökonomen und Politikern die Auffassung vor, dass es richtig sei, die Zügel schleifen zu lassen und höhere Inflationsraten zu produzieren. Bei kurzsichtiger Betrachtung zeitigt das tatsächlich angenehme Effekte: Steuern und Abgaben mussten nicht ganz so hoch steigen, die öffentlichen Einsparungen nicht ganz so hart ausfallen.
Doch niemand sollte glauben, die Entwertung des Geldes sei ein eleganter und schmerzloser Weg, die aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Ganz im Gegenteil: Inflation ist eine kalte Enteignung. Überraschend. Unfair. Ungerecht.
Inflation facht Verteilungskämpfe an, schürt das Misstrauen gegenüber dem Staat und zerstört die Glaubwürdigkeit seiner Institutionen. Inflation ist undemokratisch: Während das Parlament über Steuern und Etatkürzungen offen diskutiert und nachvollziehbar Entscheidungen fällt, breitet sich die Inflation heimlich, still und leise aus.
Erst im Nachhinein wissen die Bürger, dass ein Teil ihrer Kaufkraft weg ist. Das hat aus der Sicht praktischer Politik seinen Reiz, aber es ist hochgefährlich.
Wer mit der Inflation spielt, der spielt mit dem Kern der Demokratie - dem Vertrauen der Bürger in die Institutionen ihres Staates. Und das ist ein zu hoher Preis. Schlimmer noch: Damit Inflation zur Entschuldung beitragen kann, Inflation zur Entschuldung funktioniert nur überraschend. Das macht sie so perfide.
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