Von Arvid Kaiser
Hamburg - Bisher war es eine eher akademische Debatte, doch nun sehen sich Zentralbanker gezwungen zu reagieren. Eine jährliche Teuerung von 3 Prozent statt 2 Prozent anpeilen? Klar, das würde die realen Zinsen senken und so dem Wachstum auf die Sprünge helfen, antwortete Fed-Chef Ben Bernanke kürzlich dem Berkeley-Professor Bradford DeLong. Doch das Risiko sei zu groß, "dass die Öffentlichkeit Vertrauen in den Willen der Zentralbanken verliert, weiterem Aufwärtsschub der Inflation zu widerstehen".
Das "Verankern der Inflationserwartungen" sei ein "im Lauf von drei Jahrzehnten hart erarbeiteter Erfolg", beschied Amerikas oberster Geldhüter. Sein Kollege Jean-Claude Trichet von der Europäischen Zentralbank hält sich bedeckt, doch EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark warnte am Donnerstag in Seoul, "die Öffentlichkeit würde das Vertrauen in die Kaufkraft des Geldes verlieren". Bundesbankpräsident Axel Weber verurteilte das "Spiel mit dem Feuer".
Die Kritik richtet sich an Olivier Blanchard, den Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Nicht 2 oder 3, sondern 4 Prozent könnte ein angemessenes Inflationsziel sein, schrieb der in einem neuen Aufsatz zur Analyse der Krise. "Sind die Kosten der Inflation dann wirklich höher?", fragt er rhetorisch. Auch wenn eine schwere Deflation derzeit unwahrscheinlich sei, seien dem stabilen Geld zu viele Jobs geopfert worden.
Die Fed - wie auch die anderen wichtigen Notenbanken - verfehlt ihre Hauptziele derzeit dramatisch. Die Arbeitslosenquote in den USA ist zu hoch (10 Prozent statt der angepeilten 4 Prozent), die Inflationsrate zu niedrig (0 Prozent statt 1,75 bis 2 Prozent). Beides spricht dafür, die Zinsen zu senken, um Geld billiger zu machen und so eine schnellere Zirkulation zu befördern, Investitionen und Arbeitsplätze zu schaffen.
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