Von Karsten Stumm
Hamburg - Der Aufschwung kam spät. Erst in den letzten Wochen des vergangenen Jahres hielt der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer
wieder mehr Aufträge. Zog die Auslastung der Chemiefabriken an, weil sich vor allem in Asien die Wirtschaft aus der Krise arbeitet - zu spät für Bayer. Die Endabrechnung des Jahres 2009 zeigt vor Steuern und Abschreibungen ein Minus von 6,6 Prozent auf 6,472 Milliarden Euro. Und das wirkt.
Galt nicht gerade Bayer als eines der Dax-Unternehmen, das schnell wieder Fahrt aufnehmen kann? Hatte nicht der große deutsche Chemie-Konkurrent BASF
Der Umsatz ging um 5,3 Prozent auf 31,168 Milliarden Euro zurück, der Gewinn sank gar um gut ein Fünftel auf 1,359 Milliarden Euro. Und an der Börse fällt der Aktienkurs des Unternehmens: Die Anteilsscheine des Chemie- und Pharmaunternehmens gaben bis 17.15 Uhr um 1,9 Prozent auf 49,43 Euro nach. "Das nennt man wohl eine Zwei-Klassen-Gesellschaft", meint Robert Halver von der Baader Bank
dazu. "BASF hat Bayer vorgemacht, wie es geht. 1:0 für BASF."
Grund für die vergleichsweise zähe Erholung des Leverkusener Unternehmens war zwar vor allem das Geschäft mit hochwertigen Chemikalien. Das litt besonders unter der allgemeinen Wirtschaftskrise des vergangenen Jahres, auch wenn es zuletzt kräftig anzog. Ausgleichen sollte das zum Teil die Gesundheitssparte des Unternehmens. Doch verglichen mit anderen Branchengrößen verdiente Bayer ausgerechnet in diesem Unternehmensbereich dann nicht so gut, wie erwartet worden ist. Ist Bayer einfach zu klein, um im internationalen Geschäft ganz vorne mitspielen zu können?
Die amerikanischen Konzerne Pfizer und Merck & Co
immerhin haben zuletzt die Flucht nach vorn angetreten: Pfizer
übernahm 2009 den nationalen Wettbewerber Wyeth für 68 Milliarden Dollar, Merck & Co gab 41 Milliarden Dollar für den ebenfalls aus Amerika stammenden Konkurrenten Schering-Plough
aus.
Analysten unken dann auch, das Bayer-Reich sei mit seinen mehr als 100.000 Mitarbeitern, drei Teilkonzernen und mehr als 300 Gesellschaften veraltet. Sie fordern eine Konzentration auf das Pharmageschäft, den größten Konzernteil. Denn Bayer und Merck sind die letzten Branchenvertreter, die Chemie- und Pharmasparte unter einem Dach betreiben. Konkurrenten wie Novartis
, Roche
oder Sanofi-Aventis
haben sich längst zu reinen Gesundheitskonzernen gewandelt.
Bayer selbst allerdings sieht das anders. Mit einem Börsenwert von 42 Milliarden Euro ist das rheinische Unternehmen derzeit nach Siemens
und Eon
die Nummer drei im Dax. Kaum ein Konzern ist derart gut durch die Krise gekommen - auch, wenn die Endabrechnung für 2009 nicht so gut wie erwartet ausgefallen ist.
© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH