Donnerstag, 9. Februar 2012, 03:03 Uhr

manager magazin



25.02.2010
 

Deutsche Jobmisere

Massenarbeitslosigkeit war gestern

Von Karsten Stumm

Ein bisschen schlechter, aber alles andere als eine Katastrophe: Die Zahl der Arbeitslosen steigt in Deutschland. Aber nur leicht. Trotz frostiger Dauerwinterzeit, trotz kränkelnder Euro-Partnerstaaten. Jetzt haben Deutschlands Arbeiter und Angestellte Einmaliges unternommen, damit es so bleibt.

Hamburg - Was für ein Wandel. Deutschlands Arbeitslosenzahlen erscheinen plötzlich auf den Titelseiten internationaler Tageszeitungen. Zugegeben, nicht direkt neben dem neuesten Partybericht über Paris Hilton. Dafür aber mit wohlwollendem Unterton. Und die künftigen Arbeitslosenmeldungen aus der Bundesrepublik könnten für noch mehr Aufmerksamkeit sorgen. Kein Wunder.

Ermüdendes Warten: Arbeitslosigkeit in Spanien derzeit höher als in der Bundesrepublik
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REUTERS

Ermüdendes Warten: Arbeitslosigkeit in Spanien derzeit höher als in der Bundesrepublik

Das einst überragende Schwächezeichen der Bundesrepublik, die Millionen jobloser Frauen und Männer, verblasst seit 2007 mehr und mehr. Auch jetzt, zum Ende der Wirtschaftskrise: Die gerade bekannt gegebene aktuelle Arbeitslosenziffer von 3,643 Millionen im Februar nötigt plötzlich Respekt ab. Genau das ist der Wandel.

Gemessen an der Tiefe der Rezession, aus der sich die Bundesrepublik mühsam herausarbeitet, zeigt der Arbeitsmarkt hierzulande Zähigkeit. Die Arbeitslosenquote stieg auch im Februar nur um 0,1 Prozentpunkte auf 8,7 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte - trotz des strengen Winters, der die Konjunktur beeinträchtigt. So muss die Bundesagentur für Arbeit seit Ausbruch der Wirtschaftskrise auch erst knapp 4 Prozent mehr Frauen und Männern bei ihrer Suche nach einem neuen Arbeitsplatz helfen - schlimm genug. Aber in Spanien beispielsweise sind verglichen mit dem Vorkrisenstand etwa doppelt so viele Menschen arbeitslos gemeldet. Und jetzt gibt es Gründe anzunehmen, dass sich Deutschlands vermeintliches Jobwunder fortsetzt.

3,44 Millionen Beschäftigte der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben mit ihren Unternehmensvertretern in der vergangenen Woche einen einmaligen Pakt geschlossen: Sie verzichten für etwa zwölf Monate auf Lohnerhöhungen. Von kleineren Einmalzahlungen abgesehen sollen ihre Gehälter frühestens im April 2011 um maßvolle 2,7 Prozent steigen.

Zugleich nehmen die Beschäftigten auch noch Abstriche beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld hin; sie werden es im Kurzarbeitsfall künftig nicht mehr in der bisherigen vollen Höhe erhalten. Das alles im Gegenzug für eine Jobgarantie ihrer Unternehmen.

Diese Garantie steigert die Chance, dass sich die bisher zurückgestaute, kalte Flut der Massenarbeitslosigkeit in diesem Jahr doch nicht über Deutschland ausbreiten wird. Schließlich haben gerade die Tausenden Industriebetriebe in der Bundesrepublik von den bestehenden Kurzarbeitregeln in den vergangenen Monaten mit Erfolg Gebrauch gemacht - und deren Nutzung wird jetzt attraktiver. Wenn auch zulasten der Steuerzahler, die für die neuerliche Kostenverbesserung der Unternehmen geradestehen müssen.

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