Von Anja Tiedge
mm: Sie glauben ernsthaft, dass die ausstehenden Ausgleichszahlungen der Deutschen eine Mitschuld an der derzeitigen Krise in Griechenland tragen?
Harvalias: Sicher nicht. Wir sind über das Verhalten der Deutschen verärgert, insbesondere über Kommentare von hochrangigen Regierungsmitgliedern, wie unser Land mit der Finanzkrise umzugehen habe. Deutschland verlangt von den Griechen, die Schulden konsequent abzubauen. Umgekehrt verlangen die Griechen ganz einfach, dass Deutschland mit seinen Verbindlichkeiten genauso konsequent umgeht - so auch mit den Ausgleichszahlungen des Zweiten Weltkriegs.
mm: Welche Umstände führten dann Ihrer Meinung nach zur Krise?
Harvalias: Die Gründe sind globaler als auch nationaler Natur. Im Moment befindet sich die ganze Welt in einer wirtschaftlichen Schieflage - ein Sog, dem auch Griechenland nicht unbeschadet entkommen konnte. Es gibt aber auch im Land gewisse Fehlfunktionen. Das finanzielle Missmanagement der vergangenen Jahrzehnte und die Taschenspielertricks der ehemaligen Regierung sind hauptsächlich schuld an der Krise.
mm: Sie spielen auf die Korruption in Ihrem Land an?
Harvalias: In der Tat, Korruption ist Griechenlands größtes Problem. In den vergangenen Jahrzehnten fehlten die Rahmenbedingungen, um Bestechlichkeit zu bekämpfen. Das ist auch der Grund, warum die ehemalige Regierung ihre Vertrauenswürdigkeit verloren hat.
mm: Athen hat sich verpflichtet, die Neuverschuldung in den kommenden Jahren unter die 3-Prozent-Marke zu drücken. Reicht das, um das Land aus der Krise zu führen, oder muss das Sparprogramm noch verschärft werden?
Harvalias: Die Regierung steht mit dem Rücken zur Wand. Als sie an die Macht kam, wusste sie nicht, wie schlecht es wirklich um die Wirtschaft bestellt war. Die Vorgängerregierung hatte vorgegeben, dass die Verschuldung 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betrage, dabei lag sie in Wirklichkeit bei 12,7 Prozent. Ich hoffe, dass wir ohne ein strengeres Sparprogramm die Wende hinbekommen.
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