Donnerstag, 9. Februar 2012, 18:29 Uhr

manager magazin



06.02.2010
 

G7-Finanzminister

"Kollaps ganzer Volkswirtschaften möglich"

Die Krise in den südeuropäischen Euro-Staaten schürt ungekannte Ängste. Selbst die Finanzminister der sieben traditionell führenden Wirtschaftsnationen sind betroffen - und warnen eindringlich: Ganze Volkswirtschaften könnten zusammenbrechen. Die Aktienkurse an manchen Börsen Europas sind es bereits.

Iqaluit (Kanada) - Die Finanzprobleme in Ländern der Euro-Zone haben den Beginn des Finanzministertreffens der sieben großen Industrieländer (G7) am Freitag im arktischen Iqaluit bestimmt. Der kanadische Gastgeber Jim Flaherty kündigte an, er werde dieses Thema mit seinen Kollegen mit besonderem Augenmerk auf die Lage Griechenlands erörtern.

Aktienhändler In New York: Euro-Schockwellen erst einmal verdrängt
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AP

Aktienhändler In New York: Euro-Schockwellen erst einmal verdrängt

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich überzeugt, dass diese ernsten Probleme den Euro nicht gefährden würden. "Der Euro bleibt stabil", sagte er; allerdings hatte Europas Gemeinschaftswährung allein in der vergangenen Woche deutlich an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Mittlerweile notiert der Euro Chart zeigen mit knapp 1,37 US-Dollar deutlich unter der 1,40-Dollar-Marke, die er lange Zeit nicht unterschritten hatte. Zwischenzeitlich hatte sich der Euro gar unter 1,36 Dollar abgeschwächt, den niedrigsten Stand seit Mai vergangenen Jahres. Noch zu Jahresbeginn notierte der Euro bei rund 1,45 Dollar.

"Ich glaube, wir müssen sehr bewusst mit der Möglichkeit des Zusammenbruchs nationaler Volkswirtschaften und die anhaltende Existenz von giftigen Anlagen in einigen Banken umgehen", sagte Flaherty. Einige Länder der Euro-Zone, wie beispielsweise Griechenland, Portugal und Spanien, leiden zunehmend unter Finanzproblemen. Das nährt die Befürchtung, dass diese Probleme sich in der Europäischen Währungsunion noch ausbreiten und damit den gesamten Euro-Raum hinabziehen könne.

Die Aktienmärkte weltweit gerieten wegen der Befürchtungen einer Destabilisierung der Euro-Zone und Spekulationen über die Möglichkeit einer umfangreichen gemeinsamen Hilfeaktion der Euro-Länder auf Abwege. Die Kurse fielen am Freitag zeitweise auf ein Dreimonatstief, erholten sich dann aber zumindest in den USA.

Die Unruhe an den Weltkapital- und Devisenmärkten nannte Bundesfinanzminister Schäuble dann zwar auch "Übertreibungen". Griechenland müsse jetzt aber auch einen hohen Preis für die lang andauernde Verletzung der EU-Stabilitätsregeln zahlen.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet wies Spekulationen zurück, die EZB-Führung könnte am Wochenende wegen der angespannten Lage zu einem Krisentreffen zusammenkommen. Schäuble wandte sich sogar erneut gegen Mutmaßungen über gemeinsame Notfallpläne der Euro-Länder zur Unterstützung Griechenlands, die beispielsweise Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer im Gespräch mit dem manager magazin gefordert hatte. Schäuble sagte aber auch, viele kluge Menschen machten sich über viele Dinge Gedanken.

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