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22.01.2010
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EU-Standortstudie

Gewinner und Verlierer der Krise

Von Henrik Müller

Eine Standortstudie exklusiv für manager magazin zeigt, welche EU-Länder durch die Verwerfungen der vergangenen anderthalb Jahre an Attraktivität verlieren - und welche gewinnen. Eine Analyse mit teils überraschenden Ergebnissen.

Hamburg - Natürlich, sagt Henner Lüttich, "absolut gesehen gibt es in dieser Krise keine Gewinner, sondern nur Verlierer." So gravierend seien "die Auswirkungen der Krise mit Insolvenzen, Arbeitsplatzverlusten und Existenzverlusten", dass kein Land und keine Region am Ende besser dastehen werde. Lüttich, Geschäftsführer der auf Standortanalysen spezialisierten Unternehmensberatung Contor, hat für manager magazin die neue Wirtschaftsgeografie der EU erkundet.

EU-Standorte: "Absolut gesehen gibt es in dieser Krise keine Gewinner, sondern nur Verlierer"
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Corbis

EU-Standorte: "Absolut gesehen gibt es in dieser Krise keine Gewinner, sondern nur Verlierer"

Dennoch, so Lüttich, gebe es relative Gewinner. Länder und Regionen, die aufgrund ihrer Wirtschafts- und Bevölkerungsstruktur krisenresistenter sind und sich deshalb künftig besser entwickeln sollten als andere, deren Standortschwächen durch die Krise womöglich erst offengelegt wurden.

Zu den relativen Gewinnern gehören zum Beispiel große Teile Deutschlands. So verfügen die deutschen Spitzenregionen Unterhaching (München Land), Ingolstadt und München-Stadt über eine diversifizierte, hoch produktive Produktionsbasis, weshalb sie sich in der Contor-Analyse gerade bei der Arbeitsmarktentwicklung relativ zum Rest der EU verbessern. Gerade in unruhigen Zeiten ist es ein großer Vorteil, über eine breite, vergleichsweise stabile Wirtschaftsstruktur zu verfügen.

EU-Spitzenreiter Luxemburg hingegen, in puncto Bildungsstand der Bevölkerung uneinholbar oben, bekommt die Krise der im Herzogtum konzentrierten Finanzbranche deutlicher zu spüren.

Lüttichs Studie analysiert 1084 EU-Regionen (Kategorie Nuts 3, in Deutschland: Landkreise); Großbritannien und Dänemark wurden nicht einbezogen, da dort viele regionalisierte Daten nicht veröffentlicht werden; Rumänien und Bulgarien wurden wegen schwer kalkulierbarer politischer Risiken ausgespart (siehe Methode). Das Ergebnis ist eine Rangliste der regionalen Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der EU.

Mehr zum Thema in: manager magazin 1/2010

Immobilien-Atlas
Nichts ist so entscheidend wie die Lage. Lesen Sie mehr über die attraktivsten Standorte Europas im manager magazin 1/2010, ab Seite 124.

Relativ verbessern können sich vor allem jene Regionen, deren Wirtschaftsstruktur diversifiziert und wissensintensiv ist und die deshalb von der Krise nicht so stark getroffen werden. Weder steigt dort die Arbeitslosigkeit dramatisch an, noch brechen die Investitionen vollkommen ein.

Die Krise verändert die Wirtschaft grundlegend, und sie wird es noch auf Jahre tun. Finanzierungsbedingungen für die private Wirtschaft verschlechtern sich. Bisher große Branchen, die in den Boomjahren stark gewachsen waren - Banken, Bau und exportlastige Industrie -, müssen schrumpfen und stehen vor einem schwierigen Strukturwandel. Staaten geraten an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Menschen wandern aus absteigenden Regionen ab und ziehen in prosperierende Zentren.

Insgesamt werden die ökonomischen Spielräume in den kommenden Jahren eng sein: das Wachstum niedrig, ökonomische und politische Krisen häufig, die demografische Entwicklung spürbar. All das führt dazu, dass sich die Wirtschaftsentwicklung auf die etablierten Zentren konzentriert. Wo viel ist, läuft es relativ besser.

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