New York - Beobachter glauben nicht an einen Zufall. Sie gehen davon aus, dass Goldman Sachs auf einen späteren Termin gegangen ist, damit JP Morgan die erste Welle der Empörung über die Milliardenboni abbekommt. "Ich kann mir schon vorstellen, dass Goldman Sachs
nicht die Prügel einstecken wollte", sagt Experte Konrad Becker von der Privatbank Merck Finck. "Sie haben in den vergangenen Monaten ja schon genug Schelte einstecken müssen."
Goldman Sachs gehört zu den Gewinnern der Finanzkrise. Das New Yorker Geldhaus hatte den Einbruch der Märkte frühzeitig vorausgesehen und am Leid der Konkurrenz sogar noch verdient. In den ersten neun Monaten des Krisenjahres 2009 strich Goldman Sachs einen Gewinn von 8,4 Milliarden Dollar ein - und legte die doppelte Summe für Bonuszahlungen an die Mitarbeiter zurück.
Bankchef Lloyd Blankfein wurde als Prototyp des "gierigen Bankers" zur bevorzugten Zielscheibe für Politik und Medien. Er gehört seit Jahren zu den absoluten Spitzenverdienern der Branche. Eine "Charmeoffensive", wie es US-Medien nannten, mit dem Eingestehen eigener Fehler und Änderungen bei der Ausschüttung der Boni verpuffte. In Erinnerung blieben dagegen seine Äußerungen, er verrichte als Banker nur Gottes Werk.
2,9 Milliarden Dollar Gewinn bei Goldman Sachs erwartet
Nach Einschätzung von Analysten hat Goldman Sachs im Schlussquartal mit gut 2,9 Milliarden Dollar mehr verdient als jede andere US-Bank. JP Morgan kommt demnach auf knapp 2,5 Milliarden Dollar. Die Boni dürften bei beiden Häusern entsprechend hoch ausfallen. So hoch, dass US-Präsident Barack Obama wie europäische Kollegen derzeit eine Sonderabgabe prüft.
Goldman Sachs wollte zu den Gründen für den späten Termin keine Stellung nehmen. Allerdings hat sich bei dem Konkurrenten das Geschäftsjahr verschoben - und endet nun nicht mehr Ende November, sondern Ende Dezember. Gleiches passierte beim kleineren Rivalen Morgan Stanley.
Beide Investmentbanken legen ihre Zahlen nun am 21. Januar vor. Der Termin könnte sich letztlich rächen. "Die erste Bank, die mit Zahlen herauskommt, setzt die Standards", sagt Merck-Finck-Experte Becker. Ist die Gewinnentwicklung beim Nachzügler dann schlechter, rauscht die Aktie schnell in den Keller. Zwar könnten die Börsianer schon differenzieren, sagt Becker. "JP Morgan und Goldman Sachs sind aber recht gut vergleichbar."
Die beiden großen Häuser profitieren derzeit von der Schwäche ihrer Konkurrenten. Die Citigroup und die Bank of America konnten erst im Dezember die Staatshilfen über jeweils 45 Milliarden Dollar zurückzahlen. Gebühren und Zinsen lasteten schwer auf den Instituten. Die Citigroup legt ihre Bilanz am 19. Januar vor. Analysten erwarten einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar. Bei der Bank of America, die ihre Ergebnisse einen Tag später präsentiert, rechnen sie mit einem Minus von 3,8 Milliarden Dollar. Boni, soviel steht schon fest, wird es aber auch hier geben
manager-magazin.de mit Material von dpa-afx
© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH