Frankfurt am Main - Europa ist geschockt. Erneut wird die Beständigkeit der Kreditwürdigkeit eines großen Euro-Staates in Zweifel gezogen. Denn nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) steckt nun auch Spanien länger und tiefer in der Krise als andere Staaten. Der starre Arbeitsmarkt und die hohe Verschuldung des privaten Sektors dürften die Wirtschaftsleistung auf längere Zeit dämpfen, teilte die Ratingagentur am Mittwoch mit. Die Agentur senkte daher den Ausblick für das spanische Rating auf "negativ". Damit drohe innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Herabstufung.
Die Ankündigung ist der zweite Schlag für die Euro-Zone, nachdem gestern die Ratingagentur Fitch die Bonität des Euro-Staates Griechenland zurückstufte. Erstmals seit zehn Jahren musste damit ein Staat der Euro-Zone eine Verschlechterung seiner Verschuldungsbedingungen hinnehmen. Entsprechend entwickelte sich der Euro-Kurs: Europas Gemeinschaftswährung hat in den vergangenen 48 Stunden erheblich an Wert etwa gegenüber dem US-Dollar verloren.
"Wegen hausgemachter Probleme im Euro-Raum wird der Euro abgestraft", sagte Devisenexperte Mario Mattera vom Bankhaus Metzler. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am späten Nachmittag 1,4722 Dollar. Zwischenzeitlich war der Euro
gar auf 1,4670 Dollar abgesackt. Zu Wochenbeginn war der Euro noch etwa 1,50 Dollar wert.
Kaum anders das Bild an den europäischen Aktienmärkten: Die Kurse fallen, und das unabhängig von nationalen Wirtschaftsnachrichten. Der deutsche Aktienleitindex Dax
beispielsweise gab heute um 0,7 Prozent nach, gestern waren es 1,67 Prozent. Frankreichs CAC-40-Index
rutsche um 0,74 Prozent ab, nachdem das Pariser Kursbarometer am Vortag bereits um 1,45 Prozent nachgegeben hatte und der Londoner FTSE-100-Index
knickte nach seinem gestrigen Minus von 1,6 Prozent heute um weitere 0,37 Prozent ein. Entsprechend entwickelte sich heute auch der europäische Aktienleitindex Euro Stoxx 50
: heute minus 1,09 Prozent, gestern minus 1,6 Prozent.
Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou sieht nach der Herabstufung seines Landes nunmehr die nationale Souveränität bedroht. Dies sei erstmals seit 1974 - dem Jahr der Wiedereinführung der Demokratie - der Fall, sagte Papandreou am Mittwoch. Die Europäische Kommission und einige EU-Länder sprachen von einer schwierigen Lage in dem Land, das zur Euro-Zone gehört und deshalb bestimmte Kriterien erfüllen muss.
"Wir sind entschlossen, alles Nötige zu tun, um das enorme Defizit unter Kontrolle zu bekommen, die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren und die Entwicklung voranzutreiben", versicherte der Sozialist Papandreou bei einer Kabinettssitzung in Athen: "Dies ist die einzige Möglichkeit sicherzustellen, dass Griechenland nicht seine souveränen Rechte einbüßt." Entweder werde das Land die Schulden auslöschen - oder die Schulden das Land, warnte der Ministerpräsident. Die griechische Regierung kündigte am Mittwoch an, mit Hilfe radikaler Schritte gegen die heimische Krise anzugehen.
Bundesbankpräsident Axel Weber hat die griechische Regierung mit Blick auf die gesunkene Kreditwürdigkeit des Landes zum Handeln aufgefordert. "Der Ball liegt jetzt im Feld der griechischen Regierung", sagte Weber, der auch im Rat der Europäischen Zentralbank vertreten ist, am Dienstagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. "Es ist jetzt eine klare Strategie zum Abbau des Haushaltsdefizits gefordert."
manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, afp, ap und reuters
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