Von Arvid Kaiser
Lula weiß seine Erfolge in Szene zu setzen. Seit 2004 hat die Zentralbank ihr Inflationsziel (derzeit 2,5 bis 6,5 Prozent) nicht mehr verfehlt, kein Vergleich mit der Hyperinflation der Vergangenheit. Das Land mit der einst höchsten Auslandsverschuldung der Welt ist inzwischen Nettogläubiger und hat Devisenreserven von 240 Milliarden Dollar angehäuft - mehr als Exportweltmeister Deutschland. Seit 2005 exportiert Brasilien mehr Industrie- als Grundprodukte - auch wenn im Export nach Deutschland immer noch die Rohstoffe dominieren: Kaffee, Soja, Eisenerz, sogar Fleisch, das von der EU mit einem Einfuhrzoll von 103 Prozent belegt wird.
Brasilien hat offensichtlich andere Sorgen als die Außenwelt: Der Leitzins der brasilianischen Zentralbank beträgt immer noch 8,75 Prozent - und das ist nach einem Jahrzehnt der Politik des harten Geldes mit zweistelligen Zinssätzen von bis zu 45 Prozent schon ein Niedrigrekord.
Seit November verlangt das Land von Ausländern, die Aktien oder Anleihen kaufen, eine 2-prozentige Steuer, um die Kapitaleinfuhr und die Aufwertung der Landeswährung Real zu bremsen. Die hohen Zinsen machen zwar Kredite und Investitionen in Brasilien teuer, sie locken aber ausländisches Kapital an - besonders über die wieder auflebenden Carry Trades, in denen Geld beispielsweise zu null Zinsen in den USA geliehen und dann hochrentabel in Brasilien angelegt wird.
"Im Lauf von 20 Jahren hat das Weltfinanzsystem es für gut befunden, sich vom produktiven Bereich abzukoppeln und der Spekulation zuzuwenden", schimpft Lula in Hamburg. Und da ist er wieder, der linke Arbeiterführer: "Vielleicht liegt das an der Vorherrschaft der Lehre vom minimalen Staat." Kritische Worte über die "weißen Männer mit blauen Augen", die das Desaster in der Weltwirtschaft angerichtet hätten, verkneift Lula sich diesmal aber lieber.
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