Donnerstag, 9. Februar 2012, 14:32 Uhr

manager magazin



27.11.2009
 

Dubai-Krise

Der Wüstensturm

Von Arne Gottschalck und Lutz Reiche

2. Teil: Die Suche nach dem reichen Bruder

Patryk Jablonowski rät zur Gelassenheit. "Wir müssen uns vor Augen führen, worum es eigentlich geht. Ein Unternehmen in einem kleineren Markt der Region, das sich in Staatsbesitz befindet, hat um einen Aufschub für die Rückzahlung von Krediten gebeten. Leider wurde diese Ankündigung vor den Feiertagen ohne weitere Erklärung veröffentlicht und dabei die Wirkung auf die internationale Investorenszene völlig unterschätzt", sagt der Fondsmanager des Deka Middle East and Africa Fonds zu manager-magazin.de.

Dubai: Das Emirat ist in Schwierigkeiten geraten
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Corbis

Dubai: Das Emirat ist in Schwierigkeiten geraten

Nach dem bislang insgesamt positiven Lauf an den Finanzmärkten in diesem Jahr seien die Investoren eben hoch sensibilisiert für Korrekturen, erklärt sich Folker Hellmeyer das Phänomen, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Seine Einschätzung: "Ich halte die Reaktionen aber für absolut übertrieben. Ich erwarte keinen Staatsbankrott Dubais mit entsprechenden Auswirkungen auf andere arabische Staaten", sagte Hellmeyer zu manager-magazin.de.

Vor Ort brodelt dennoch die Gerüchteküche. Angeblich sei Abu Dhabi bereit, sich des Problems anzunehmen. Genug Geld hätten die Scheichs für die Bruderhilfe: "Die könnten Dubai morgen übernehmen, das Geld wäre da. Sie haben den größten Staatsfonds der Welt", sagt Fondsmanager Khourshid. "Aber offenbar lassen sie die Herrscherfamilie in Dubai wohl noch ein wenig zappeln", so der lokale Experte Maierbrugger.

Auch Analyst Hellmeyer glaubt an die Nachbarschaftshilfe der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und eben allen voran des ölreichen Abu Dhabis. "Zwischen den Ländern besteht eine Art Länderfinanzausgleich, ein Versprechen, sich bei finanziellen Engpässen gegenseitig unter die Arme zu greifen", meint Hellmeyer.

Wenn es auch nur die geringsten Anzeichen für systemische Risiken oder einen ökonomischen Flächenbrand im arabischen Raum gebe, würden andernfalls die G20 und der IWF "sofort und nachhaltig" einschreiten, ist Hellmeyer überzeugt. Da passt es ins Bild, dass der IWF erst am Mittwoch bekanntgegeben hat, dass er Kreditzusagen von mehr als 600 Milliarden US-Dollar bereitgestellt hat, um Krisenbrandherde zu bekämpfen.

Vorerst bleibt viel Spielraum für Spekulationen. Auch darüber, wie stark deutsche Unternehmen von der Krise in Dubai betroffen sein könnten. Die Nachrichtenagentur Reuters zum Beispiel berichtete, unter ihr könne etwa die Hochtief-Tochter Leighton und damit indirekt der hiesige Baukonzern leiden. Doch Hochtief-Sprecher Christian Gerhardus winkt ab.

"Hochtief ist von der Finanzkrise in Dubai nicht betroffen", sagt er. "Unsere Schwerpunktmärkte in der Golf-Region sind vielmehr Abu Dhabi, Katar und Bahrain. Den dortigen Volkswirtschaften geht es weiterhin gut. Unsere Auftragslage in diesen Ländern ist sehr aussichtsreich und die dortigen Margen sind sehr gut." Und was ist mit der Beteilung in Dubai? "Wir gehen daher davon aus, dass sich aus der Finanzkrise in Dubai keine nennenswerten Auswirkungen auf uns ergeben."

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