27.11.2009
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Dubai-Krise

Der Wüstensturm

Von Arne Gottschalck und Lutz Reiche

Dubai sendet Schockwellen um die Welt. Denn das Land bittet seine Gläubiger um einen Zahlungsaufschub. Schon explodieren die Risikoaufschläge für entsprechende Anleihen - und in Dubai selbst herrscht Ratlosigkeit. Wie gefährlich aber ist die Krise im Wüstenstaat für die Weltwirtschaft?

Hamburg - Seit Mittwoch stehen in Dubai die Telefone nicht still. Was ist bei Euch los? Wie ist die Stimmung? Wie geht es weiter? Investoren, Baufirmen und Journalisten wollen Antworten. Kein Wunder. Dubai hat die Welt geschockt.

Die Regierung des Emirats hat eingeräumt, seine Holding Dubai World benötige mehr Zeit für ihre Neuordnung. Man bemühe sich daher um einen Zahlungsaufschub für sein Projekt Palmeninsel bis mindestens zum 30. Mai 2010. Auf der arabischen Halbinsel schlagen seitdem die Emotionen hoch. Und nicht nur dort. Westliche Investoren fürchten um den Verbleib des dort investierten Geldes, vor Ort aktive Unternehmen um den Fortbestand ihrer Aufträge.

"Derzeit ist alles in Panik", sagt Rashad Khourshid, der mit dem Meridio Arab World einen Investmentfonds vor Ort verwaltet. "Das liegt aber auch daran, dass in Dubai selbst kaum jemand zu erreichen ist wegen einer Feierwoche. Es gibt daher viele Frage, aber niemanden, der antworten kann." Dazu kommt die fast traditionelle Intransparenz des arabischen Emirates. Die Herrscherfamilie gewähre schon zu normalen Zeiten nur wenig Einblick in ihre und die Geschäfte der Staatskonzerne, berichtet Arno Maierbrugger, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft der "Gulf News", gegenüber manager-magazin.de.

Andere decken ihre Karten dagegen schon auf: Das Finanzinstitut Abu Dhabi Commercial sei mit umgerechnet bis zu 1,6 Milliarden Euro bei dem Immobilienentwickler Dubai World engagiert und müsse nun entsprechende Rücklagen bilden, gab ein hochrangiger Vertreter der Bank am Freitag zu.

Die Panik kocht daher an vielen Stellen hoch, so Khourshid gegenüber manager-magazin.de. Und längst nicht mehr nur an den Aktienbörsen: "Man sieht es auch an den Anleihen eines der Unternehmen von Dubai World. Die Nakheel-Bonds laufen bis zum 14. Dezember 2010. Am Mittwochmorgen vor Bekanntgabe der Nachricht lag deren Kurs bei 112 Dollar, am Nachmittag bei 70, inzwischen bei 40 Dollar", sagt Fondsmanager Khourshid. Und bergab geht es auch an den Rohstoffmärkten:

Der Preis für Zink, Nickel und Blei etwa verbilligte sich um rund 3 Prozent, der für Aluminium und Zinn um mehr als ein Prozent - aus Angst vor sinkender Nachfrage der Industriestaaten als Folge der Dubai-Krise. "Die Lage dort ist eben sehr beunruhigend", sagte Rohstoffexperte Benson Wang von Commodity Broking Services in Sydney. "Die Leute sind offenbar besorgt wegen des möglichen Domino-Effekts, sollte Dubai seine Schulden nicht zurückzahlen können."

Doch droht aus einem lokalen Problem tatsächlich die Entwicklung einer weltweiten Lawine wie vor zwei Jahren, als aus einem anfänglich amerikanischen Problem die schwerste Finanzkrise der vergangenen sechzig Jahre wurde?

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