26.11.2009
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Spanien

Der iberische Patient

Von Arne Gottschalck

2. Teil: Konsumstreik statt Kauflaune

Die Arbeitslosigkeit macht sich auch an anderer Stelle bemerkbar. "Die Konsumentenstimmung ist auf einem niedrigen Niveau und der Konsum deutlich gesunken", kommentiert Luis Espada, Direktor Savills Retail Investment Spanien. Schlichter ausgedrückt - wer seinen Arbeitsplatz verloren hat, kauft keine neue Sofagarnitur. Und eben auch keine neue Wohnung.

Nun wird es eng: Spaniens Wirtschaft im Kampf
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DPA

Nun wird es eng: Spaniens Wirtschaft im Kampf

Die Immobilienbranche hat bereits reagiert. Für 2009 waren ursprünglich Einzelhandelsbauvorhaben von 1,1 Millionen Quadratmeter geplant, rechnet das Immobilienunternehmen Savills vor. Einkaufszentren zum Beispiel mit den allgegenwärtigen Kaufhäusern El Corte Inglés oder der Supermarkt Eroski. Inzwischen ist die Fläche auf 360.000 Quadratmeter reduziert worden. Viele spanische Bauträger verschieben den Beginn neuer Projekte offenbar auf 2011, da sie erst dann mit einer Erholung der Nachfrage nach Einzelhandelsflächen und besseren Finanzierungsmöglichkeiten rechnen, heißt es in einer Mitteilung von Savills.

Das spanische Siechtum ist nicht nur Problem für die heimische Wirtschaft. Es ist auch eines für die EU. Denn Spanien hat in der Vergangenheit um die 0,4 Prozent zum jährlichen Wirtschaftswachstum der EU beigetragen, so die Ökonomin Hochberg. "Die nächsten Jahre werden von strukturellen Anpassungsprozessen geprägt sein und dieser Beitrag dürfte voraussichtlich deutlich niedriger ausfallen."

Tatsächlich ist die Regierung nun strategisch gefordert. Das spanische Modell - der immobiliengestützte Aufschwung - "ist zum Stillstand gekommen", so Fondsmanager de Bondt gegenüber manager-magazin.de. "Und längerfristig wird die Frage sein, ob das Land die Wirtschaft wieder in die Spur heben kann, indem sie neue Wachstumsindustrien schafft. Das ist die entscheidende Frage - und derweil muss die Haushaltsdisziplin aufrechterhalten werden."

Die Aufgabe würde noch schwieriger werden, höbe die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen an. Denn mit höheren Zinsen würden sich Immobilien noch schlechter verkaufen. Und ganz so unwahrscheinlich ist eine Zinssteigerung nicht. Im Oktober zum Beispiel sagte Lorenzo Bini Smaghi zwar, dass "einstweilen nicht" mit einer Zinserhöhung zu rechnen sei. Aber das Direktoriumsmitglied der EZB versicherte auch, die Zentralbank werde "die Zinsen anheben, (...) wenn das angemessen ist".

Eine erste Anhebung erwartet zum Beispiel Elga Bartsch, Europa-Chefvolkswirtin bei Morgan Stanley, Mitte 2010. Rücksicht auf Spanien dürfte dabei kaum genommen werden. Denn zu viel steht auf dem Spiel. Verpatzt die EZB den "Exit", den Ausgang aus der aktuellen wirtschaftsumhegenden Niedrigzinspolitik, dann droht der Wirtschaft ein kräftiger Rückfall in die Krise, so die gängige Einschätzung. Viel Zeit hat die spanische Regierung also nicht.

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