Von Michael Freitag
Es ist gerade acht Monate her, da erklärte ein GM-Topmanager die Situation in Europa wie folgt: Das Unternehmen müsse die Kapazität um 30 Prozent reduzieren. Das bedeute: Drei Werke müssten weg, und zwar - das ergebe nun mal die betriebswirtschaftliche Analyse - Antwerpen, Eisenach und Bochum. Gleich zwei Fabriken in Deutschland zu schließen, sei aber ein politisches Problem. Deshalb müssten sich Rüsselsheim und Bochum die Last teilen. In beiden Werken werde wohl gedrosselt.
So weit die Detroit-Ökonomie aus dem März. Spätestens jetzt, nach dem abgesagten Verkauf der Opel-Mehrheit an den austro-kanadischen Zulieferer Magna
Doch was macht der? Eine Sanierung light. Er will nicht mehr Jobs streichen als die von Magna vorgesehenen 9500. Er schickt überall Mitarbeiter nach Hause, will aber keine Werke schließen; höchstens Antwerpen, aber auch da sieht Reilly noch Hoffnung.
Opel
Was kann Betriebsrat Klaus Franz nach dem gescheiterten Magna-Deal noch gegen General Motors ausrichten? Lesen Sie mehr im aktuellen manager magazin, Heft 12/2009, ab Seite 34.
Zweitens helfen die Regierungen. Reilly reicht den Korb zur Kollekte herum, und alle geben brav ein paar Hundert Millionen Euro. Die Deutschen, speziell die betroffenen Bundesländer, genauso wie die Regierungen in London, Madrid und Warschau.
Drittens scheut Reilly offenbar den Konflikt mit Opel-Betriebsratschef Klaus Franz (siehe die Titelgeschichte des aktuellen manager magazins, 12/2009, ab Seite 34). Der mächtige Arbeiterführer ist zwar mit seiner Mission vom "Free Opel" unter Magna-Führung gescheitert. Dem neuen Herren aber hat er gleich mal seine Macht demonstriert und den von GM als neuen Aufsichtsratschef vorgesehenen Bob Lutz erst einmal blockiert.
So wirken die GM-Pläne ein bisschen wie die beiden letzten Sanierungen 2000 und 2004. Am Ende kommt zwar nach langem Hin und Her alles nicht so schlimm wie befürchtet. Eine echte Zukunftsperspektive aber fehlt. Die von vielen in Rüsselsheim erhofften Nischenfahrzeuge wie ein schickes Opel-Cabrio wird es wohl ebenso wenig geben wie die notwendigen Investitionen in erstklassige Motoren. Das Geld in Detroit ist begrenzt, die Märkte in Asien und Lateinamerika versprechen ganz andere Profite als Europa, dementsprechend verteilt der Konzern die Investitionen.
GM bekennt sich nicht wirklich zu seinem Europa-Geschäft, spart es aber auch nicht unmittelbar zu Tode. Stattdessen droht Opel das ewige Weiterso, die Fortsetzung des Niedergangs in Raten. Das nächste Drama droht spätestens 2012. Dann läuft in Bochum die Produktion des aktuellen Zafira aus. Dieser Minivan wird bis dahin wohl das letzte dort hergestellte Modell sein. Welch eine Gelegenheit, das Werk komplett zu schließen.
© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH