Donnerstag, 9. Februar 2012, 01:14 Uhr

manager magazin



Autoindustriemanager magazin RSS  - Autoindustrie - Autoindustrie

Alle Artikel und Hintergründe

25.11.2009
 

Kommentar

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Von Michael Freitag

Nick Reilly hat das Steuer in Rüsselsheim übernommen, ein Brite, in Deutschland angekündigt als knallharter Sanierer. Doch was macht der? Eine Sanierung light. General Motors bekennt sich nicht wirklich zu seinem Europa-Geschäft. Stattdessen droht Opel das ewige Weiterso, die Fortsetzung des Niedergangs in Raten.

Es ist gerade acht Monate her, da erklärte ein GM-Topmanager die Situation in Europa wie folgt: Das Unternehmen müsse die Kapazität um 30 Prozent reduzieren. Das bedeute: Drei Werke müssten weg, und zwar - das ergebe nun mal die betriebswirtschaftliche Analyse - Antwerpen, Eisenach und Bochum. Gleich zwei Fabriken in Deutschland zu schließen, sei aber ein politisches Problem. Deshalb müssten sich Rüsselsheim und Bochum die Last teilen. In beiden Werken werde wohl gedrosselt.

Sanierung light: GM-Europe-Manager Reilly
Zur Großansicht
REUTERS

Sanierung light: GM-Europe-Manager Reilly

So weit die Detroit-Ökonomie aus dem März. Spätestens jetzt, nach dem abgesagten Verkauf der Opel-Mehrheit an den austro-kanadischen Zulieferer Magna Chart zeigen und die russische Sberbank Chart zeigen, könnte die GM-Spitze ihre Vision umsetzen. Nick Reilly hat das Steuer in Rüsselsheim übernommen, ein Brite, in Deutschland angekündigt als knallharter Sanierer.

Doch was macht der? Eine Sanierung light. Er will nicht mehr Jobs streichen als die von Magna vorgesehenen 9500. Er schickt überall Mitarbeiter nach Hause, will aber keine Werke schließen; höchstens Antwerpen, aber auch da sieht Reilly noch Hoffnung.

Mehr zum Thema in: manager magazin 12/2009

Opel
Was kann Betriebsrat Klaus Franz nach dem gescheiterten Magna-Deal noch gegen General Motors ausrichten? Lesen Sie mehr im aktuellen manager magazin, Heft 12/2009, ab Seite 34.

Für den plötzlichen Meinungswandel gibt es mehrere Gründe: Erstens ist GM reicher, als es die Konzernspitze selbst erwartet hatte: In den USA hat die Regierung mit ihrem als "Cash for Clunkers" ("Bares für Schrottkisten") bekannt gewordenen Programm Geld in die Konzernkasse geschaufelt. In Deutschland halfen die Abwrackprämie und der gute Start des neuen Kompaktklassemodells Astra. Mehr als eine Milliarde Euro Liquidität hortet Opel, das ist dreimal so viel wie im Frühjahr erwartet.

Zweitens helfen die Regierungen. Reilly reicht den Korb zur Kollekte herum, und alle geben brav ein paar Hundert Millionen Euro. Die Deutschen, speziell die betroffenen Bundesländer, genauso wie die Regierungen in London, Madrid und Warschau.

Drittens scheut Reilly offenbar den Konflikt mit Opel-Betriebsratschef Klaus Franz (siehe die Titelgeschichte des aktuellen manager magazins, 12/2009, ab Seite 34). Der mächtige Arbeiterführer ist zwar mit seiner Mission vom "Free Opel" unter Magna-Führung gescheitert. Dem neuen Herren aber hat er gleich mal seine Macht demonstriert und den von GM als neuen Aufsichtsratschef vorgesehenen Bob Lutz erst einmal blockiert.

So wirken die GM-Pläne ein bisschen wie die beiden letzten Sanierungen 2000 und 2004. Am Ende kommt zwar nach langem Hin und Her alles nicht so schlimm wie befürchtet. Eine echte Zukunftsperspektive aber fehlt. Die von vielen in Rüsselsheim erhofften Nischenfahrzeuge wie ein schickes Opel-Cabrio wird es wohl ebenso wenig geben wie die notwendigen Investitionen in erstklassige Motoren. Das Geld in Detroit ist begrenzt, die Märkte in Asien und Lateinamerika versprechen ganz andere Profite als Europa, dementsprechend verteilt der Konzern die Investitionen.

GM bekennt sich nicht wirklich zu seinem Europa-Geschäft, spart es aber auch nicht unmittelbar zu Tode. Stattdessen droht Opel das ewige Weiterso, die Fortsetzung des Niedergangs in Raten. Das nächste Drama droht spätestens 2012. Dann läuft in Bochum die Produktion des aktuellen Zafira aus. Dieser Minivan wird bis dahin wohl das letzte dort hergestellte Modell sein. Welch eine Gelegenheit, das Werk komplett zu schließen.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben