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manager magazin



17.11.2009
 

Kommentar

Wir Schulden-Junkies

Von Wolfgang Kaden

Astronomische Staatsschulden und spottbilliges Geld von den Notenbanken: Mit allen Mitteln soll Wachstum herbeigezaubert werden. Für eine Gesellschaft, die fordert, dass es auch nach einer so einschneidenden Krise im alten Tempo weitergehen muss. Wo soll das enden?

Neulich saß Axel Weber, der Präsident der Deutschen Bundesbank, mal wieder im Zentralbankrat und machte sich so seine Gedanken, wie die Geldpolitik der bedeutendsten Euro-Institution in den nächsten Monaten aussehen würde - wer im Kreis der Räte wohl für einen strafferen Kurs stimmen und wer für weiterhin extrem billiges Geld plädieren würde.

Geldregen: Die EZB wird auch in den nächsten Monaten Geld fast zum Nulltarif an die Banken verteilen
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AP

Geldregen: Die EZB wird auch in den nächsten Monaten Geld fast zum Nulltarif an die Banken verteilen

Auf einem Zettel vor ihm standen alle 22 Namen der EZB-Mitglieder, die Notenbankpräsidenten aus den 16 Euro-Staaten und die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums. Um den Namen jedes Kollegen, bei dem Weber vermutete, er oder sie würde für eine weiche Linie stimmen, machte der Bundesbanker mit einem gelben Stift einen Kringel. Dann zählte er und kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Tauben, die Freunde niedriger Zinsen und billigen Geldes, haben in der Euro-Bank eindeutig die Mehrheit.

Die EZB, davon dürfen wir also getrost ausgehen, schöpft weiterhin aus dem Vollen, wird auch in den nächsten Monaten Geld fast zum Nulltarif (derzeitiger Zinssatz: 1 Prozent) an die Banken verteilen. Genauso wie die amerikanische Notenbank (derzeitiger Zinssatz: 0 Prozent): Geld, Geld, Geld im Überfluss. Dazu kommen dann noch die unzähligen Schuldenmilliarden aus den öffentlichen Haushalten, für Konjunkturprogramme und expansiv gefahrene Budgets.

Astronomische Staatsschulden und spottbilliges Zentralbankgeld: eine Geldschwemme ohnegleichen, und die immer größer werdende Gefahr, dass wir gerade dabei sind, die nächste Großblase zu produzieren. Und wer wird dann für schuldig erklärt? Die Notenbanker, die Geschäftsbanker, die Politiker?

Vielleicht wäre es ganz angebracht, wenn wir mal bei uns selbst anfangen würden, statt immer nur die da oben verantwortlich zu machen. Ja, wir alle sind es, die diese Blase mit produzieren - als Teile einer Gesellschaft, die keine Phasen des Innehaltens und der Neuorientierung mehr zulässt. Die ohne ständig steigendes Sozialprodukt aus den Fugen gerät. Einer Gesellschaft, in der das Wort "Wachstum" zur meist gebrauchten Metapher in den Reden der Politiker und Manager aufgestiegen, zu einer Art Religionsersatz geworden ist.

Gierig sind eben nicht allein die Banker, maßlos nicht allein die Politiker. Gierig und maßlos sind wir alle.

Wir lassen uns von der neuen Regierung ein "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" verpassen. Welch eine großartige Wortschöpfung. Das vielsilbige Ungetüm steht für eine Politik, die sich bedingungslos dem Immer-mehr verschrieben hat. Wachstum wird mit neuen Schulden erzeugt, wir können nicht mehr ohne die Schuldendroge. Wohlstand auf Kosten der Zukunft.

Die Banker gehen nur zu gern ihrem Job als Geld-Dealer nach, verteilen die vielen Milliarden, die ihnen die Notenbanken zinsgünstig rüberschieben. Und die Politiker handeln so, wie sie mit Blick auf ihre Wähler, also uns, glauben, handeln zu müssen: mehr "Schonvermögen" für Hartz-IV-Empfänger, weniger Mehrwertsteuer für Hoteliers, höheres Kindergeld für die Familien. Alle wollen, dass die Bonanza weitergeht.

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