17.11.2009
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Transparency Korruptionsindex

"Die Firmen müssen mehr Druck machen"

Von Klaus Werle

2. Teil: Auch Deutschland hat Nachholbedarf

mm.de: Verstärkt die Wirtschaftskrise die Korruption noch zusätzlich?

Schenk: Das Risiko besteht definitiv. Wenn Unternehmen um Aufträge und um ihre Existenz kämpfen, sinken die moralischen Standards. Laut einer aktuellen Umfrage von Ernst & Young gehen Angestellte in vielen Staaten, selbst wenn diese im Korruptionsreport gute Noten bekommen, davon aus, dass die Manager ihres jeweiligen Unternehmens eher als noch vor zwei Jahren bereit sind, Schmiergelder zu zahlen - Hauptsache, der Auftrag kommt. Das ist wie beim Doping. Jeder denkt: Wenn es alle machen, dann kann ich mich nicht verweigern, sonst habe ich einen Nachteil im Wettbewerb.

Korruption schadet allen: Sie erhöht die Preise, verhindert Rechtssicherheit und behindert die wirtschaftliche Entwicklung
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Corbis

Korruption schadet allen: Sie erhöht die Preise, verhindert Rechtssicherheit und behindert die wirtschaftliche Entwicklung

mm.de: Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um Bestechung wirksam zu bekämpfen?

Schenk: Die internationalen Vorgaben müssen durch effektive Prüfungen vor Ort auch hinsichtlich der konkreten Umsetzung kontrolliert werden. Aber die Politik ist nur die eine Seite. Mindestens genauso wichtig ist eine gemeinsame konsequente Haltung der Wirtschaft: Die Unternehmen, auch die deutschen, müssen mehr Druck machen und etwa Schmiergeldforderungen geschlossen ablehnen.

Ikea beispielsweise hat sich kürzlich teilweise aus dem russischen Markt zurückgezogen, mit der Begründung, die grassierende Korruption erschwere die Geschäfte extrem. Das ist ein einzelnes Beispiel, aber es zeigt, dass westliche Firmen etwas tun können, anstatt sich nur auf schlechte Sitten herauszureden.

Gemeinsames Vorgehen hilft allen, denn langfristig schadet eine Bestechungskultur in einem anderen Land sämtlichen Beteiligten: Korruption erhöht die Preise, verhindert Rechtssicherheit und behindert die wirtschaftliche Entwicklung. Alle drei Faktoren können nicht im Interesse von Unternehmen sein - egal, ob sie in einem solchen Land produzieren oder es vorrangig als Absatzmarkt sehen.

mm.de: Sprechen wir über Deutschland. Die Bundesrepublik liegt auf Platz 14, wie im Vorjahr. Was unterscheidet uns eigentlich von der Spitzengruppe um Neuseeland, Schweden oder die Schweiz?

Schenk: Der zum Teil deutliche Abstand signalisiert, dass wir in puncto Transparenz und Integrität noch Nachholbedarf haben. Skandale wie der um Siemens haben zwar die Sensibilität für das Korruptionsthema erhöht, aber es gibt auch im öffentlichen Bereich immer wieder Bestechungsfälle, Probleme bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, dazu Ämterpatronage, intransparente Lobbyistenaktivitäten und vieles mehr.

Außerdem hat Deutschland immer noch nicht den Straftatbestand der Abgeordnetenbestechung verschärft. Damit fehlt weiterhin eine wichtige Voraussetzung für die Ratifizierung der UN-Konvention gegen Korruption. Das Klima im öffentlichen Dienst ist offensichtlich weniger transparent als in Schweden oder Dänemark. Das ist auch das Ergebnis einer ganz anderen kulturellen Prägung, die in Skandinavien schon seit Langem viel offener und stärker auf das Gemeinwohl gerichtet ist.

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