Freitag, 10. Februar 2012, 04:27 Uhr

manager magazin



17.11.2009
 

Transparency Korruptionsindex

"Die Firmen müssen mehr Druck machen"

Von Klaus Werle

Sylvia Schenk, Vorsitzende von Transparency International Deutschland, spricht anlässlich der Vorlage des Transparency-Jahresberichts mit manager-magazin.de über verstärkte Korruption als Folge der Finanzkrise, die ökonomischen Folgen von Bestechung und die Schwierigkeit eines Mentalitätswandels.

mm.de: Frau Schenk, was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Veränderungen im aktuellen Korruptionsindex von Transparency International gegenüber 2008?

Schenk: Leider hat sich gar nicht so viel verändert, vor allem nicht zum Positiven. Noch immer liegt die große Mehrheit der 180 untersuchten Länder unter dem Wert von fünf - auf einer Skala von null bis zehn, wobei null "hochgradig korrupt" bedeutet. Wir beobachten allerdings Verschiebungen, die zwar zahlenmäßig klein, aber in ihrer Tendenz dennoch besorgniserregend sind.

  Sylvia Schenk , geboren 1952, ist Rechtsanwältin und ehemalige Leichtathletin. 1972 nahm sie an den Olympischen Spielen in München teil. 2006 stieß sie zur neugegründeten Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland. Seit 2007 amtiert sie als Vorsitzende der Organisation.
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DPA

Sylvia Schenk, geboren 1952, ist Rechtsanwältin und ehemalige Leichtathletin. 1972 nahm sie an den Olympischen Spielen in München teil. 2006 stieß sie zur neugegründeten Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland. Seit 2007 amtiert sie als Vorsitzende der Organisation.

Griechenland beispielsweise weist mit 3,8 einen schlechteren Wert auf als 2008. Angesichts der Nachrichten aus dem Land verwundert das zwar nicht, macht aber trotzdem ein Stück weit ratlos, wenn man bedenkt, wie lange Griechenland schon Mitglied der EU ist. Auch Lettland hat sich verschlechtert, wie überhaupt in ganz Osteuropa noch sehr viel zu tun ist. Diese Länder, allen voran Rumänien, sind in Europa unsere Sorgenkinder.

mm.de: Woran liegt das? Immerhin sind viele dieser Nationen EU-Mitglieder.

Schenk: Es gibt ja auch positive Beispiele. Polen etwa hat ein zentrales Antikorruptionsbüro eingerichtet, die Regierung ist sehr aktiv. Das scheint auch in der Bevölkerung anerkannt zu werden, sodass Polen seine Bewertung in diesem Jahr verbessert hat. Doch leider gilt für zahlreiche andere osteuropäische Staaten: Während der Aufnahmeverfahren und in den ersten Jahren danach ist dort viel passiert, um die Korruption zurückzudrängen. Doch danach hat man die Sache wieder schleifen lassen.

Jetzt zeigt sich: Gute Gesetze allein reichen nicht aus, eine wirksame Bekämpfung ist eine Daueraufgabe und braucht auch einen Mentalitätswandel. Transparency International in Rumänien etwa macht viele Projekte, unter anderem in Schulen. Die Jugendlichen sind begeistert dabei, aber im alltäglichen Leben merkt man davon noch nichts. Gut möglich, dass es eine Generation braucht, bis sich wirklich etwas ändert.

mm.de: Warum fällt der Mentalitätswandel so schwer?

Schenk: In Ländern mit hoher Korruption ist die Bestechung meist tief im Alltag verankert, Herta Müller beschreibt dies in einigen ihrer Bücher. Das kann, wie in den Staaten Osteuropas, eine Folge diktatorischer Regime sein. Oft ist die Ursache aber dauerhafte Instabilität durch Bürgerkriege oder Hungersnöte wie in Somalia, Afghanistan, Irak oder Sudan - den Schlusslichtern des aktuellen Reports. In solcher Umgebung wird die Rechtlosigkeit zum Normalzustand: Schmiergelder werden dann nicht nur gezahlt, um sich einen unrechtmäßigen Vorteil zu verschaffen - sondern auch und vor allem, um überhaupt sein Recht zu bekommen. Das stellt die Verhältnisse auf den Kopf - und macht es so schwierig, etwas zu verändern.

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