Istanbul - Europa läßt die schwere Rezession nur im Schneckentempo hinter sich und muss sich danach auch längerfristig auf gedämpftes Wachstum einstellen. Schon die Erholung von der Krise werde langsam und schwach ausfallen, heißt es in einem am Samstag in Istanbul veröffentlichten Konjunkturausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Europa.
Kredite blieben knapp, während zugleich die Arbeitslosigkeit steige. Nach einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von minus 4 Prozent in diesem Jahr sei für 2010 lediglich mit einem Wachstum von 0,5 Prozent zu rechnen. Auch jenseits des kurzfristigen Horizonts werde die Krise das Wirtschaftswachstum in Europa negativ beeinflussen, heißt es.
Als Grund für die nur schleppende Erholung sieht der IWF die deutlich gesunkene Nachfrage amerikanischer Verbraucher, die Asien trotz gestiegener Importe nicht wettmachen könne. "Europa kann sich nicht alleine auf Exporte verlassen, um die Gesundung der Wirtschaft voranzutreiben", heiß es in dem Bericht. "Eine Fortsetzung der Erholung ruht vor allem auf den Schultern der europäischen Verbraucher sowie der Investitionen", sagte der Leiter der Europa-Abteilung des Weltwährungsfonds, Marek Belka.
Der IWF schätzt, dass die Arbeitslosigkeit in der Eurozone bis zum Jahr 2011 auf beinahe 12 Prozent klettert. Für Deutschland erwartet der Fonds im kommenden Jahr knapp 11 Prozent Arbeitslose.
Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hatte erst kürzlich gesagt, es werde am Arbeitsmarkt nicht so schlimm kommen wie die BA noch Anfang des Jahres befürchtet habe. "Nach allem, was wir heute wissen, werden wir 2010 keine fünf Millionen Arbeitslose bekommen, in keinem einzigen Monat", so Weise in der "Bild"-Zeitung. Einen Anstieg der Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr hält jedoch auch Weise für "unabwendbar". Im September 2009 betrug die Arbeitslosenquote in Deutschland laut Bundesagentur für Arbeit 8 Prozent. Auf Grundlage der aktuellen Erwerbstätigenzahlen würde eine Arbeitslosenquote von 11 Prozent in Deutschland etwa 4,5 Millionen Arbeitslosen entsprechen.
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