Von Karsten Stumm
Das japanische Unternehmen hat seine Kunden mittlerweile aufgefordert, Fußmatten im Bereich des Gaspedals zu entfernen. Zwar seien Toyota-Matten nicht fehlerhaft, sagte ein Sprecher des weltgrößten Autounternehmens. US-Kunden hätten jedoch die Angewohnheit, Fußmatten zu schonen, indem sie eine zweite darauf legten oder die Originalmatte entfernten. Die Ersatzmatte werde dann aber oftmals nicht korrekt befestigt.
Formal in die eigenen Werkstätten zurückrufen will das Unternehmen die möglicherweise betroffenen Fahrzeuge deshalb auch erst, wenn die Ermittlungen zu dem tödlichen Unfall in der Nähe von San Diego abgeschlossen sind. "Noch handelt sich nicht um einen Rückruf. Aber wir nehmen den Fall sehr, sehr ernst", sagte der Toyota-Sprecher.
Käme es dazu, wäre es gleich der größte Rückruf in der Geschichte des japanischen Unternehmens: 3,8 Millionen Fahrzeuge aus mehreren Baureihen dürften betroffen sein, weil diese Modelle kostensparend ähnlich konstruiert sind. In diesem Millionenheer der betroffenen Fahrzeuge fänden sich dann auch ältere Produktionsjahrgänge der Toyota-Edelkarossen Lexus und des Toyota-Umweltstars Prius, der gerade jetzt in das Blickfeld der US-Verbraucher zu geraten scheint.
Japanische Zeitungen argwöhnen nicht zuletzt deshalb, dass die recht frühzeitige und schrille Warnung des amerikanischen Transportministers LaHood eine billige Retourkutsche für Toyotas Erfolg auf dem US-Markt sei. "Diese Warnung ist keine gute Werbung", sagt Aktienexperte Yuuki Sakurai von Fukuoka Capital. "Und sie kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Schwächen der amerikanischen Autohersteller offen zutage getreten, japanische Modelle aber gelobt worden sind."
Die Warnung vor dem möglichen Fußmattenproblem des japanischen Autoherstellers kommt allerdings auch in einer Zeit, in der Toyota selbst wirtschaftliche Probleme hat. Und das nicht zuletzt auf dem US-Markt.
Toyota wird das laufende Geschäftsjahr nach eigenen Angaben mit einem Milliardenverlust beenden, nachdem solch einer schon im Vorjahr aufgelaufen war. Und dazu hatte nicht zuletzt der schleppende Verkauf auf dem amerikanischen Markt beigetragen, auf dem Toyota einen erheblichen Teil seiner gesamten Produktion verkauft. Toyota musste sogar ein Werk in den USA zuletzt dichtmachen. Erst dank der US-Abwrackprämie spürte Toyota Besserung. Die jetzige Warnung vor Toyota-Modellen fällt genau in diese Erholungsphase.
© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH