Von Karsten Stumm
Hamburg - Der größte Autohersteller hat klein beigegeben. Toyota muss womöglich bis zu 3,8 Millionen Autos in die Werkstätten holen, weil sich in diesen Fahrzeugen ein Fußabtreter verhaken könnte. Das hört sich nach einem schlechten Witz an, vielleicht auch nach einem dieser wilden Internetgerüchte. Doch Toyota
ist es bitterernst - seitdem sich Amerikas Transportminister Ray LaHood des Fußmattenproblems angenommen hat.
"Um Himmels willen, wir raten allen Besitzern dieser Toyota-Fahrzeuge dringend, die Matten auszutauschen", rief LaHood in einem aufsehenerregenden Statement, das nahezu jede US-Zeitung und jeder Fernsehkanal des Landes aufgegriffen hat. Die Matten oder andere Gegenstände könnten das Gaspedal in den Fahrzeugen einklemmen und die Autos so unkontrolliert und immer weiter und weiter bis zur Spitzengeschwindigkeit beschleunigen - mit verheerenden Folgen. So, wie vor einem Monat.
Am 28. August klingelte nach einem Bericht in der "New York Times" in einer US-Notrufzentrale in San Diego das Telefon. Verstört und aufgeregt meldete sich der Beifahrer eines rasenden Wagens. Das Auto bescheunige selbstständig, man könne es nicht stoppen - und schon fahre man 190 Stundenkilometer schnell auf dem US-Highway, auf dem eine Höchstgeschwindigkeit von 113 Stundenkilometer gilt. Entsprechend groß war die Geschwindigkeitsdifferenz zu den übrigen Autos auf dem Highway. Kurz darauf prallte das Fahrzeug auf ein anderes. Vier Menschen starben.
Die US-Polizei gab später in einer ersten Reaktion an, der Unfall könnte sich ereignet haben, weil sich eine Fußmatte im Fahrerraum verhakt habe, die unsachgemäß in das Auto geklemmt worden sei. Der Fahrer des Wagens, ein Highway-Polizist, starb in seinem Toyota-Oberklassewagen Lexus ES 350 zusammen mit seinen drei Familienangehörigen.
"Das ist ein drängendes Problem", sagte deshalb auch US-Transportminister LaHood in seiner Stellungnahme, der zugleich Chef der National Highway Traffic Safety Administration ist. Den Behörden lägen inzwischen Berichte von 100 Toyota-Fällen vor, in denen das Gaspedal blockiert war - wie womöglich bei dem tödlichen Unfall. 17 Mal sei es deswegen zu Unfällen gekommen.
Toyota empfahl seinen Kunden in einer ersten Reaktion lakonisch, den Motor abzustellen und "die Bremsen zu benutzen, um kontrolliert am Fahrbahnrand anzuhalten". Nun aber geht es weiter.
© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH