Von Michael Best
Nicht nachhaltige Geschäftsmodelle sollten mit noch höheren Eigenkapitalanforderungen abgesichert und in gewisser Weise auch bestraft werden. Denn wir haben erleben müssen, dass die Staaten, dass die Steuerzahler im Krisenfall gezwungen sind, jede systemisch wichtige Bank aufzufangen. Das lässt sich nur legitimieren, wenn die Banken eine für die Volkswirtschaft nützliche und keine schädliche Rolle spielen.
Eine weitere fatale Modeerscheinung bedarf der Korrektur. Durch trickreiche Finanzsteuerung wurden die Eigenkapitalrenditen von börsennotierten Unternehmen hochgeschraubt. Das Prinzip funktioniert so: Ein Unternehmen ist zu 50 Prozent mit Eigenkapital und zu 50 Prozent mit Fremdkapital, also durch Kredite, finanziert. Auf sein Eigenkapital erzielt es eine Rendite von, sagen wir, 8 Prozent.
Für das Fremdkapital muss es an die Bank 4 Prozent Zinsen zahlen. Nimmt es zusätzliches Fremdkapital auf und verkürzt sein Eigenkapital, kann es die auf das verbliebene Eigenkapital entfallende Rendite hochhebeln. Bei einem Verhältnis von 20 Prozent Eigenkapital zu 80 Prozent Fremdkapital würde die Eigenkapitalrendite in diesem Beispiel auf 14 Prozent steigen. So funktioniert der Kredithebel. Das ist verlockend, aber riskant.
Solange das Unternehmen ein höheres Eigenkapital hat, kann es einen Auftragseinbruch besser verkraften. Bei einem zu hohem Fremdkapitalanteil kann es dazu kommen, dass der laufende Zufluss flüssiger Geldmittel aus der Geschäftstätigkeit nicht ausreicht, um die Kreditraten zu bezahlen.
Dann beginnt das Unternehmen, seine finanziellen Reserven aufzubrauchen. Die Finanzvorstände von Unternehmen sind gut beraten, auf eine hohe Eigenkapitalquote Wert zu legen und nicht zu versuchen, auf Teufel komm raus Rendite herauszupressen. Bei börsennotierten Unternehmen wurde derartige Finanzsteuerung durch Aktienrückkäufe betrieben.
Dadurch wurde der Eigenkapitalhebel verlängert, die Zinsbelastung aber wurde erhöht. Eine solche kurzfristige Optimierung der Rendite dient langfristig keineswegs den Interessen der Aktionäre. Zunächst wird der Wert ihrer Anteile durch ein Aktienrückkaufprogramm scheinbar erhöht. Fehlt dem Unternehmen aber bei einer Verschlechterung der Geschäftslage haftendes Eigenkapital, kann der Aktienkurs umso dramatischer einbrechen. Falsch konstruierte Vergütungsanreize für Unternehmensvorstände haben diesen schädlichen Trend verstärkt. Wer den Gewinn kurzfristig hochjubelte, wurde dafür fürstlich belohnt. An langfristigen Zielen orientierte Vergütungsanreize können die Abkehr von dieser Finanzmode erleichtern.
Kredit ist ein wichtiges Mittel zur Unternehmensfinanzierung, aber es sollte ausgewogen genutzt werden. Übermäßige Inanspruchnahme von Kredit schadet auf Dauer mehr, als dass sie nutzt.
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