Donnerstag, 9. Februar 2012, 07:55 Uhr

manager magazin



29.09.2009
 

Kapitalismus reloaded

Mit dem Kredit ist es wie mit dem Rotwein

Von Michael Best

In den Jahren des Kasino-Kapitalismus hat sich die Welt in einen nie da gewesenen Kreditrausch gestürzt. Dann brachen die überhitzten Märkte zusammen. Der Leiter des ARD-Börsenstudios, Michael Best, diskutiert in seinem neuen Buch, wohin die Gesellschaft nach dem Debakel steuern sollte. Lesen Sie im ersten Teil, wie Kreditrisiken einfach weggezaubert wurden.

Die durch die Krise ausgelöste Debatte über den Kapitalismus hat zeitweise chaotische Züge angenommen. Manchmal wurde das System in Bausch und Bogen verdammt, vor allem seine marktliberale angelsächsische Spielart, dann wieder waren es Personen, ihre Kurzsichtigkeit und ihre Gier, die am Pranger standen. Aber was ist der Kern des Problems?

Hohe Gewinne durch hohen Einsatz: Jegliche Risiken wurden durch Instrumente wie Wahrscheinlichkeitsrechnung ausgeblendet
Zur Großansicht
Corbis

Hohe Gewinne durch hohen Einsatz: Jegliche Risiken wurden durch Instrumente wie Wahrscheinlichkeitsrechnung ausgeblendet

Taugt das System nichts, oder haben nur ein paar Leute einen schlechten Job gemacht und zu eilig in die eigene Tasche gewirtschaftet?

Wir müssen das System und seine Menschen im Zusammenspiel betrachten, auch um das Beben der Märkte zu verstehen. Die Regeln, nach denen die Kapitalmärkte in all den Jahren agierten, in denen sich die tektonischen Verspannungen aufbauten, waren von Menschen für Menschen erdacht. Es waren Regeln der Regierungen und der Notenbanken, Regeln der Bankenaufsicht und der Bilanzierung - Regeln, die für die Märkte galten, und interne Regeln einzelner Banken, bis hin zu jenen krisenverstärkenden Vergütungsregeln, die als Leistungsanreiz dienen sollten. Vorständen ist die Kontrolle über das eigene Geschäftsmodell entglitten, Risikomanager waren gutgläubig oder wurden kaltgestellt, hochbezahlte Händler glaubten sich in einer Welt, in der alles immer nur gutgeht.

Politiker wollten die Früchte eines immerwährenden Wirtschaftsbooms ernten und ließen den Finanzjongleuren freien Lauf. Denn das Kapital floss dahin, wo es gerufen wurde. Es gab Kredit im Überfluss, für den Traum vom eigenen Haus, für Gründung, Verschmelzung und Übernahme von Unternehmen, für Länder und Völker, welche die Schwelle zum Wohlstand überschreiten wollten.

Wie Kapitalismus neu gedacht werden muss
Die Lenker von Banken und Unternehmen müssen von der Gesellschaft stärker in die Pflicht genommen werden. Auch Sparer und Anleger müssen ihr eigenes Verhalten hinterfragen und bereit sein, als Investoren Verantwortung zu übernehmen für Wohlstand und Arbeitsplätze, statt Börsen als Spielkasino zu missbrauchen.

Michael Best: "Kapitalismus reloaded. Wohin wir nach dem Debakel steuern müssen."; Frankfurter Allgemeine Buch, September 2009, 240 Seiten, 24,90 Euro. Buch bestellen

"Lettland schwamm ganz einfach in einem riesigen Ozean von Geld", bekundete der lettische Zentralbankchef Ilmars Rimsevics im März 2009 in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Mit dem Geld wurden in dem baltischen Land Häuser gebaut, es wurde privater Wohlstand ermöglicht, Arbeitsplätze entstanden. Nicht nur das kleine Lettland genoss den Segen des reichlich verfügbaren Geldes, auch die großen Vereinigten Staaten und viele schnell wachsende Volkswirtschaften der Erde.

Die Unterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländern verwischten sich. Die Deutschen als Exportweltmeister waren glücklich, jedem, der Geld hatte, etwas verkaufen zu können. Wer wollte sich dem entgegenstellen, den Spielverderber geben? Zwar geißelte der Chefökonom der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley die Geldschwemme in den USA und warnte vor den wachsenden globalen Ungleichgewichten, aber Stephen Roach galt als notorischer Schwarzseher; so einen leistet man sich, aber man hört nicht auf ihn.

Auch einige amerikanische Professoren versuchten zu warnen. Robert Shiller, Wirtschaftsprofessor an der Yale University, verwies beharrlich auf die sich immer schneller drehende Preisspirale am amerikanischen Häusermarkt. Nouriel Roubini, Professor in New York und einer der umtriebigsten Ökonomen unserer Zeit, beschwor schon früh die Gefahr einer globalen Rezession. Paul Krugman, er lehrt an der Princeton University, geißelte den sorgenfreien Irrglauben, dass der Kapitalismus für immer gezähmt sei. 2008 erhielt er den Nobelpreis - als es zu spät war.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben