Von Eva Müller
mm.de: Skeptiker erkennen im Wachstum der chinesischen Wirtschaft die nächste große Blase. Im aktuellen manager magazin (Heft 10/2009) haben wir uns gerade in einem Report eingehend damit befasst. Optimisten erwarten, dass die Dynamik in der Volksrepublik die Industriestaaten wieder beflügelt. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?
Hausmann: Viele makroökonomische Parameter haben den Tiefpunkt erreicht. Das Sozialprodukt wächst schon wieder deutlich stärker. Das stimmt mich optimistisch.
mm.de: Stört es Sie nicht, dass das Wachstum allein auf staatlicher Nachfrage beruht?
Hausmann: Das Stimulusprogramm der Regierung dürfen Sie nicht zu negativ interpretieren. Viele der Infrastrukturprojekte darin helfen der Wirtschaft langfristig.
mm.de: Auch die üppige Kreditvergabe finden Sie nicht bedenklich?
Hausmann: Solange die Leute die Kredite für neue Autos, also Konsum, ausgeben, finde ich die Schulden gut. Jedenfalls sind die deutschen Autozulieferer vor Ort zurzeit gut gelaunt. Zumal der Staat auch die Entwicklung energieeffizienter Autos fördert.
mm.de: Aber wir sehen doch deutliche Zeichen einer Überhitzung. Geldmenge, Kreditvolumen, Aktien, Immobilien - das sieht ganz nach einer Blase aus.
Hausmann: Ja, es floss in den vergangenen Wochen auch sehr viel Geld in Aktien und Immobilien. Da ist Vorsicht angebracht.
Die China-Blase
Das größte Schwellenland erlebt einen gigantischen staatlich befeuerten Boom. Steht China vor dem Kollaps? Oder geht der Boom weiter? Lesen Sie mehr zum Thema im manager magazin, Heft 10/2009, ab Seite 96 und diskutieren Sie mit im mm-China-Forum.
Hausmann Jetzt in der Krise spüren wir schon, dass lokale Staatsunternehmen bevorzugt werden. Das ist zwar in gewissem Umfang verständlich. Dennoch predigen wir den offiziellen Stellen immer wieder, wie wichtig eine Gleichberechtigung ausländischer Firmen für den Fortschritt der chinesischen Wirtschaft ist.
mm.de: Was bemängeln Sie konkret?
Hausmann: Wir vermissen Transparenz, erfahren oft nicht rechtzeitig von Ausschreibungen. Es ist schwer, an Informationen heranzukommen. Insgesamt aber sind wir deutschen Geschäftsleute in China positiv gestimmt. Das zeigt auch unsere jüngste Handelskammer-Umfrage.
mm.de: Wir haben gelegentlich den Eindruck eines übertriebenen Optimismus. Nach dem Motto: Es ist noch immer gut gegangen. Was stimmt Sie aktuell so positiv?
Hausmann: Viele deutsche Unternehmen profitieren vom Stimulusprogramm. Wir bei Siemens
erwarten daraus rund zwei Milliarden Euro an Geschäft. Zum Beispiel im Energiebereich und im Gesundheitssektor.
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